Hat der „Haxenspreizer“ ausgedient?

von Redaktion

„Heiße Oma“: Eierlikör und Sahne zum Après-Ski. © imago

Miriam Messerschmitt führt das legendäre „Peaches“.

Für viele Skifahrer gehört Schnaps zur Einkehr wie Schnee zum Winter. © Mauritius/Walser

Garmisch-Partenkirchen – Eine Prise Zucker, ein Schuss Zitronensaft, ein Schuss Wodka – und fertig ist der „Haxenspreizer“. Fernab österreichischer Skipisten erinnern mondäne Cocktails wie der „Lemon Sour“ an das Rezept für dieses Stamperl. Sein obszöner Name aber sorgt in diesem Winter für Diskussionen. Genau wie „Heiße Oma“ und „Heiße Witwe“.

Solche Getränkenamen entsprechen nicht mehr dem heutigen Zeitgeist, kritisieren Experten im Nachbarland. Darunter Selina Oberortner von der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Salzburg. Nicht ohne Grund seien vor 14 Jahren nach breiten, öffentlichen Diskussionen das „Zigeunerschnitzel“ und „der Mohr im Hemd“ von den Speisekarten verschwunden, sagte sie dem ORF. „Das, was früher vielleicht als derb oder traditionell gegolten hat, wird heute kritischer betrachtet, weil die Sprache etwas sehr Mächtiges ist“, so Oberortner. „Sensible Sprache steht dafür, dass in unserer Gesellschaft ein gestiegenes Bewusstsein für Gleichberechtigung und Alltagsdiskriminierung Einzug gehalten hat. Also ist es wichtig, nicht mehr zeitgemäße Begriffe nicht mehr zu verwenden.“ Vom „Haxenspreizer“ bis zur „Jungfrau“ ist das Gros anstößiger Getränkebezeichnungen keinesfalls geschlechtsneutral. Sie sind auf Frauen gemünzt und sexistisch. Angesichts der Debatte hat sich sogar die Wirtschaftskammer Salzburg für eine Anpassung ausgesprochen. Verbieten ließen sich solche Namen nicht. „Wir können Unternehmer nur darüber informieren, dass sie es ändern sollten“, sagte Wirtesprecher Albert Ebner dem ORF. „Die Zeit wird diese Wunden heilen und es wird sich in die richtige Richtung bewegen.“ Eben wie im Fall des besagten Z-Schnitzels.

Miriam Messerschmitt, Betreiberin des „Peaches“ in Garmisch-Partenkirchen und eines Cocktail-Standls auf der Wiesn, weiß um die Magie der Namen auf der Karte. „Bei lustigen Namen ist die Chance höher, dass die Kundschaft nach Erklärung fragt und das besondere Getränk auch probieren will“, erklärt die 41-Jährige. „Der Name kann also durchaus Kaufanreize schaffen.“ Auf der eigenen Karte etwa hat Messerschmitt die „Bloody Miri im Reagenzglas“ stehen. Nicht nur der Gag mit dem Labor-Gefäß kommt an, auch dass die Chefin ihren Vornamen und den des Kult-Cocktails „Bloody Mary“ verquirlt hat.

Übersetzt klingt „Blutige Maria“ alles andere als appetitlich. Es gibt viele Legenden, die erklären, weshalb der Drink so heißt, wie er heißt. Die populärste macht die englische Königin Maria I. zur Namensgeberin, weil sie einst hunderte Protestanten hat hinrichten lassen. Eine andere Theorie stützt sich auf die Chicagoer Bar „Bucket of Blood“ und deren Barkeeperin Mary.

„Solche Cocktails – dazu zählen auch der ‚Sex on the Beach‘ oder der ‚Orgasmus‘ – lassen sich als absolute Klassiker einfach nicht umbenennen“, erklärt Messerschmitt. „Klar, säuselt der ein oder andere Gast mal ‚Einmal Sex on the Beach bitte‘ mit einem Augenzwinkern über die Theke. Aber eine Bar ist ja kein spaßbefreiter Ort.“ Übrigens: Wo „Ficken“ auf der Karte stehen, ist ein Wirt nicht auf Sodom und Gomorra aus. „So heißt die Spirituosen-Marke“, sagt Messerschmitt und erinnert an den großen Hype rund um den Partylikör aus Jostabeere, als dieser 2007 auf den Markt kam.

Auch die „Heiße Witwe“ – winterlicher Pflaumenlikör serviert mit Sahne und Zimt, wurde von ihrem Hersteller so getauft. Weder an ihr noch der „Heißen Oma“, einem Milch-Eierlikör-Gemisch, stört sich Messerschmitt. „Nur ‚Haxenspreizer‘ geht einfach zu weit, das will man als Frau doch auch nicht selbst bestellen.“ Dem Begriff geht‘s bestimmt bald an den Kragen – so wie dem Ex-Namen des Cola-Biers.

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