München – Das Bundesgesundheitsministerium hat für bestimmte Antibiotika einen Lieferengpass bekannt gegeben. Betroffen seien Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin. Sie werden gespritzt, zum Beispiel für die Behandlung von Syphilis oder bei Streptokokken-Infektionen. Es gebe zwar alternative Medikamente, die seien aber häufig weniger wirksam, heißt es. Die noch vorhandenen Bestände werden in absehbarer Zeit vollständig aufgebraucht sein, deshalb spricht das Ministerium nun von einem Versorgungsmangel. Das hat auch einen ganz praktischen Hintergrund. Mit dieser Bekanntgabe greifen bestimmte Sonderregeln: Es können auch Präparate aus dem Ausland eingesetzt werden, die keine deutschen Kennzeichnungen haben.
Dem Ministerium lagen seit Sommer Informationen vor, dass die Vorräte des einzigen in Deutschland zugelassene Präparats im ersten Quartal 2026 zusammenschrumpfen werden. Grund dafür sind Umstellungen in der Produktion, bei denen es zu Verzögerungen gekommen ist. So was kommt nicht selten vor. Ein Lieferengpass gilt bereits, wenn eine übliche Auslieferungsmenge mehr als zwei Wochen lang nicht verfügbar ist. In aller Regel sind dann aber andere wirkstoffgleiche Medizinprodukte lieferbar. Derzeit gibt es rund 550 Lieferengpassmeldungen – bei insgesamt 100 000 zugelassenen Arzneimitteln. Ein Versorgungsmangel geht über solche Fälle hinaus.
Maximilian Lernbercher, der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbands, ist wegen dieser Meldung kein bisschen beunruhigt. Die Medikamente würden nicht für viele Patienten gebraucht, erklärt er. „Und es gibt gute Alternativen.“ Die Bekanntgabe des Versorgungsengpasses öffne Tore, die den Import des Medikaments aus anderen EU-Ländern oder Amerika erleichtern, erklärt er. Dadurch lasse sich ein Mangel in der Regel gut abfangen.
Der bayerische Hausärzteverband ist angesichts des Engpasses etwas weniger entspannt. Hausärzte würden Antibiotika zwar nur zurückhaltend verordnen, erklärt der Vorsitzende Wolfgang Ritter. „Wenn aber eine Antibiotikabehandlung nötig ist, müssen die passenden Medikamente schnell zur Verfügung stehen. Es darf nicht sein, dass wir durch Lieferengpässe bei Standard-Antibiotika gezwungen werden, auf Alternativen zurückzugreifen.“ Dadurch würde man die Entstehung gefährlicher Resistenzen riskieren. Bayerns Apotheker-Chef Lernbecher betont: „Lieferengpässe wird es immer geben.“ Es sei wichtig, in solchen Situationen keine Panik zu verbreiten. Grundsätzlich hält er es aber für wichtig, dass sich die europäischen Länder besser für Krisen wappnen – zum Beispiel mit längeren Bevorratungsfristen, die mehr Vorräte ermöglichen. Er hat aber auch eine gute Nachricht: Von dem Impfstoff gegen die Grippe gibt es noch genug Vorräte. Er rät angesichts der vielen Grippe-Fälle in Bayern sehr zur Impfung. „Gerade mit Blick auf den bevorstehenden Fasching. Wer sich jetzt impfen lässt, hat in ein bis zwei Wochen einen besseren Schutz gegen Grippeviren.“KWO/DPA