Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Andreas Schuster mit seiner Frau Christine Schuster-Pouilly und den Kindern Magalie, Marie und Jérémy. © Privat
Dietramszell – Sie ist allgegenwärtig. Und fehlt doch so sehr. Im November hat Andreas Schuster seine Frau verloren, die drei Kinder Jérémy (13), Marie (11) und Magalie (5) trauern um ihre Mutter. Unzählige Bilder an der Wand über dem Esstisch erinnern an die Hochzeit, an gemeinsame Urlaube und viele schöne Momente des Familienlebens. Christine Schuster-Pouilly wurde nur 48 Jahre alt. „Jetzt, nach einem knappen Vierteljahr, trifft uns der Verlust mit voller Wucht“, sagt Andreas Schuster. Er schluckt. „Wir vermissen sie so sehr.“
Der Dietramszeller und die Französin aus Baignes-Ste.-Radegonde lernten sich vor 21 Jahren beim 20-jährigen Partnerschaftsjubiläum der beiden Gemeinden kennen und lieben. Vor fünf Jahren, zehn Tage nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter, erhielt Christine Schuster-Pouilly die Diagnose „Multiples Myelom“ – eine bislang unheilbare Form von Knochenmarkkrebs. Die Kinder wuchsen mit der Erkrankung der Mutter auf, mussten miterleben, wie es ihr immer schlechter ging, sie durch die Therapie die Haare verlor und sich zum Schluss kaum mehr bewegen konnte. Zwischendurch gab es aber auch Phasen, in denen es ihr wieder besser ging, erzählt der 42-jährige Witwer: zuletzt im vergangenen Frühjahr durch eine Immuntherapie, bei der ihre Blutzellen in den USA gentechnisch verändert wurden, um die Krebszellen zu zerstören. Doch die Hoffnung war von kurzer Dauer.
Zur Trauer kommen jetzt die Herausforderungen des Alltags als alleinerziehender Vater. Die Kleine muss vom Kindergarten abgeholt werden, dazu kommen das Vorschulturnen, Ballett-Unterricht, die Plattlerproben der beiden Großen, Ministranten-Treffen, Sport, Vokabeln abfragen, trösten, Haushalt. „Auch wenn wir den Gürtel enger schnallen müssen, möchte ich den Kindern nach Möglichkeit nicht ihre Hobbys streichen“, sagt der Leiter der Ascholdinger Kindertagesstätte. Noch hat ihn die Gemeinde freigestellt, „aber irgendwann muss und will ich natürlich wieder arbeiten“. Alles unter einen Hut zu bekommen, wird dann noch einmal ungleich schwieriger.
Unterstützung bekommt er aber von der ganzen Dorfgemeinschaft. Seine Schwester und die beste Freundin seiner Frau starteten kurz nach Christines Tod eine öffentliche Spendenaktion. Ziel ist, „Jérémy, Marie und Magalie eine tragfähige und hoffnungsvolle Zukunft zu ermöglichen“, schreiben sie auf der Crowdfunding-Plattform Gofundme. Rund 35 000 Euro sind so bisher zusammengekommen – durch fast 500 Spenden zwischen 5 und 1000 Euro. „Ich bin überwältigt und unglaublich dankbar für diese Unterstützung“, sagt Schuster und ringt sichtlich nach Fassung. Seine Frau habe immer gearbeitet, selbst im Krankenhaus noch, aus Pflichtbewusstsein ebenso wie aus Freude. „Wir waren auf ihr Einkommen angewiesen.“ Der Spendenfonds schaffe ein Polster für besondere Anlässe: etwa für Jérémys Firmung oder Magalies Einschulung, vielleicht später einmal für den Führerschein oder die Hochzeit eines Kindes.
Wichtig ist Schuster auch, die Verbindung zum Heimatland der Mutter aufrechtzuerhalten. „Schon die Fahrt nach Frankreich und die Unterkunft dort kosten viel Geld.“ Offenheit gegenüber anderen Kulturen, Toleranz und Vielfalt – für diese Werte habe seine Frau immer gelebt. „Geld kann unseren Verlust nicht aufwiegen“, erklärt er, „aber es hilft, es den Kindern nicht unnötig noch schwerer zu machen.“
Neben der unerwarteten Finanzspritze weiß der Familienvater auch den emotionalen Beistand im Dorf zu schätzen. „Es ist so wertvoll, in dieser Zeit nicht alleine zu sein“, sagt er mit einem dankbaren Lächeln. Bekannte und Nachbarn, die Kirchengemeinschaft, der Partnerschafts- und der Trachtenverein – alle helfen zusammen, um den Witwer und die drei Kinder in ihrer Trauer aufzufangen. Der Kindergarten habe auf sehr einfühlsame Weise Krankheit und Tod thematisiert, die Schule immer wieder Gespräche angeboten. Freunde klingeln und fragen, wie es ihm geht, oder begleiten ihn mit Textnachrichten durch den Tag. „Ich fühle mich getragen“, sagt Schuster. Trotz der unglaublichen Tragik des Schicksals, trotz all der Verzweiflung und der Tränen gebe es auch viele schöne Momente. „Wir schaffen das“, gibt er sich zuversichtlich. „Die Mama wollte das so.“CLARA WILDENRATH
Wer helfen will…
…kann die Familie über diesen Internet-Link durch eine Spende unterstützen: https://www.gofundme.com/f/fur-jeremy-marie-und-magalie-zukunft-schenken