Neue Blitzerfalle am Brenner

von Redaktion

Auf der Luegbrücke wird das Tempo jetzt ohne Foto kontrolliert

Mit diesen Schildern wird auf die „Section Control“ hingewiesen, hier auf der österreichischen A2. © Asfinag

Die Luegbrücke ist ein Teil der Brennerautobahn – und Nadelöhr für den Urlaubsverkehr. Dort setzt die Asfinag neuerdings auf die sogenannte Section Control zur Geschwindigkeitsmessung. © Marcus Schlaf

München – Wer im vorigen Sommer zum Gardasee gefahren ist, kennt ihren Namen zwangsläufig: Die Luegbrücke ist ein wichtiges Nadelöhr auf dem Weg in den Süden, die längste Brücke der österreichischen Brennerautobahn A13. Sie ist baufällig und wird derzeit saniert – mit Folgen für den Urlauberverkehr. Zuletzt staute es sich dort noch mehr als sonst, weil die Luegbrücke immer wieder nur einspurig befahrbar war und auch weiter sein wird. In diesem Jahr könnten sich Autofahrer noch aus einem weiteren Grund ärgern: Denn der österreichische Autobahnbetreiber Asfinag hat jetzt eine sogenannte Section Control auf der Luegbrücke eingeführt – einen vollautomatischen Blitzer, dem niemand entwischen kann.

Der funktioniert so: Die elektronische Geschwindigkeitskontrolle erfasst beim Ein- und Ausfahren in den kontrollierten Abschnitt das Kennzeichen und versieht jedes Auto mit einem Zeitstempel. Danach, so erklärt es die Asfinag, werden die beiden Stempel verglichen. Ist die Fahrzeit zu kurz, war der Fahrer zu schnell unterwegs – dann muss mit einer Strafe gerechnet werden.

Die Asfinag geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass diese Art von Überwachung Unfälle um 30 Prozent reduziert. Bei schweren Fällen gingen die Zahlen sogar um 50 Prozent zurück. Zudem laufe der Verkehrsfluss mit dem Einsatz einer Section Control „harmonisch“, weshalb man sie vor allem für Baustellen nutzt. „Abrupte Spurwechsel und Drängeln haben keinen Sinn, und deshalb tun das die Fahrerinnen und Fahrer auch nicht“, so der Sprecher. Passieren weniger Unfälle, kommt es seltener zu Staus.

In Österreich gibt es mehrere dieser Kontrollabschnitte, zum Beispiel auf der Schnellstraße im Tiroler Arlbergtunnel, auf der A2 im Ehrentalerbergtunnel und in Fahrtrichtung Wien, auf der A7 bei Hummelhof, auf der A9 im Plabutschtunnel sowie auf der A22 im Kaisermühlentunnel. Seit 20 Jahren werden solche Anlagen laut Asfinag eingesetzt. „Die Erfahrungen zeigen, dass Unfälle deutlich zurückgehen“, sagt der Sprecher.

Auch in Deutschland hat man das System getestet, und zwar von 2018 bis 2023 an einer Bundesstraße in Niedersachsen. Auf dem 2,2 Kilometer langen Abschnitt lag die mittlere Geschwindigkeit trotz eines Tempolimits von 100 vorher bei 105 km/h. Im Pilotprojekt sank sie auf 95 Stundenkilometer. Vor dem Projekt kam es zu einer Häufung von Unfällen auf der Strecke – während der Kontrollen passierte nichts. Das niedersächsische Innenministerium schloss laut ADAC daraus, dass Section Control „einen deutlichen Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit leiste“. Das belegen auch Erfahrungen aus Österreich oder den Niederlanden. Trotzdem wurde Section Control in Deutschland gestoppt. Der Grund: Das Bundesverfassungsgericht hatte Datenschutzbedenken, auch wenn die Nummernschilder verschlüsselt und anonymisiert werden. Hält sich ein Fahrer an das Tempolimit, werden seine Daten sofort wieder gelöscht. In Österreich hat man kein Problem mit der Methode. Zugriff auf die Daten habe ausschließlich die Polizei. CARINA ZIMNIOK

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