Anna Hahn mit Staatspräsident Tamás Sulyok (l.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Als Anna Hahn zehn Jahre alt war, musste sie aus ihrem Heimatdorf fliehen. Getrennt von den Eltern verließ das Mädchen Pusztavám am Rand des Vértes-Gebirge in Ungarn. „Wir sind vor den Russen geflohen“, sagt Hahn. „Im Dezember 1944 sind wir abgehauen.“ Ihre Geschichte erzählte die 91-jährige Geretsriederin nun vor prominenten Zuhörern: In der Münchner Allerheiligen Hofkirche lauschten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der ungarische Staatspräsident Tamás Sulyok ihren Schilderungen. Anlass war der Gedenkakt zum 80. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen.
Schon vor dem Festakt hatte Anna Hahn, die von ihrem Sohn Helmut begleitet wurde, die Gelegenheit bekommen, die beiden Staatsmänner kennenzulernen. „Es war sehr nett“, sagt sie über das Treffen in München. „Der Bundespräsident und der ungarische Staatspräsident sind Menschen wie wir auch.“ Auch ihr Sohn war begeistert von Steinmeier und Sulyok: „Das war ein ganz lockeres, nettes Gespräch“, erzählt Helmut Hahn. „Der ungarische Staatspräsident spricht fließend Deutsch.“
Die Geretsriederin war am Ende des Festakts an der Reihe. „Ich war so furchtbar aufgeregt. So was habe ich noch nie gemacht“, sagt die 91-Jährige. Die Historikerin und Journalistin Sybille Krafft aus Icking führte das gut viertelstündige Gespräch mit ihr. „Anna Hahn hat das wunderbar gemacht“, sagt Krafft. „Sie hat so anschaulich ihre Lebens- und Fluchtgeschichte beschrieben. Es war humorvoll, aber auch mit vielen nachdenklichen Passagen.“
Für Anna Hahn und ihre Familie fügte sich übrigens alles zum Guten. „Mein Vater hat mich kurz vor Kriegsende wiedergefunden. Da war ich sehr glücklich“, sagt Anna Hahn. „In Viehwaggons sind wir dann nach Bayern.“ Auch die Mutter fand wieder zur Familie: „Als ich meine Mutter wieder hatte, war Bayern für mich Vaterland.“ELENA ROYER