LIEBE KINDER

von Redaktion

Gestern bin ich im kalten, winterlichen Wetter aufgewacht und habe mich schon auf mein Frühstück gefreut. Da flog Waldkauz Ulrich an, landete am Ufer neben mir. „Paula“, krächzte er, „ich war in München. Und München ist… voll mit grünen Kugeln in den Bäumen! Oben in den Kronen! Mitten im Winter!“ „Grüne Kugeln?“, schnatterte ich. Da stapfte Frau Dr. Berta Raspelzahn heran, mit einem Buch unter dem Arm. „Das, was du gesehen hast, Ulrich, sind Misteln.“ Jetzt wurden Ulrich und ich neugierig. „Mistel…“, wiederholte ich, und fragte, ob das eine Pflanze sei. Berta lachte. „Hmm ja, es ist eine Pflanze, aber eine sehr eigenartige. Und schlau. Die Mistel ist nämlich ein Halbparasit.“ Diesen Ausdruck hatte ich noch nie gehört. Berta erklärte: „Eine Mistel ist eine Pflanze, die nicht in der Erde wächst, sondern hoch oben auf einem Baum. Sie bleibt im Winter grün, wenn alle anderen Blätter von den Bäumen fallen, deshalb fällt sie so auf.“ Von Bertas Erklärung habe ich verstanden, dass die Mistel sich mit einer Art Saugwurzel in den Ast der Bäume bohrt, und damit Wasser und Mineralstoffe aus dem Baum saugt. Ulrich war erstaunt: „Das muss ja für den armen Baum richtig anstrengend sein, wenn die Misteln einfach mittrinken“. „Aber“, sagte Berta, „sie macht ihr Essen selbst. Ihre Blätter sind grün, und mit Sonnenlicht stellt sie Zucker her, wie ein Baumblatt. Darum nennt man sie auch Halbschmarotzer: Sie nimmt nicht alles, sie kocht einen Teil selber.“

Eure Paula

Artikel 7 von 11