Ein autonomes Unterwasser-Fahrzeug präsentieren Pistorius (r.) und Söder (l.). © AFP
Ein Soldat bei der Eröffnung des Innovationszentrums der Bundeswehr. © dpa
Erding – In Erding soll das Herzstück der Verteidigung Deutschlands entstehen – oder besser gesagt: das Gehirn. In der Kreisstadt wächst ab sofort ein sogenanntes Innovationsökosystem im Verteidigungsbereich. Der Ansatz: Start-ups gelten als entscheidende Innovationstreiber, von deren Ideen, Technologien und Forschungsergebnissen die Bundeswehr künftig noch stärker profitieren will. Gestern wurde das Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBw) von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Ministerpräsident Markus Söder feierlich eingeweiht.
Bereits 2022 ist in Erding mit dem Innovationslabor „System Soldat“ der Grundstein gelegt worden. Aufbauend auf diesen Erfahrungen fungiert es nun als Schnittstelle zwischen der Bundeswehr, Start-ups, der zivilen Forschungslandschaft und der Industrie. „Militärisch und zivil, national und international“ – es dürfe keine Grenzen in der Zusammenarbeit geben, sagte Pistorius vor den Festgästen. Was die Start-ups und Mitarbeiter des Inno-Zentrums können, präsentierten sie am Montag: Aufklärungsdrohnen zum Beispiel, die den noch kilometerweit entfernten Soldaten einen 3D-Lageplan liefern, bevor sie ein Gebäude stürmen. Oder Drohnen, die einen Panzer beschießen.
Das InnoZBw in Erding solle aber nicht nur neue Technologien in enger Zusammenarbeit mit der Truppe, Start-ups, Forschenden und der Industrie erschließen. Neben experimentellen Erprobungen werde auch eigene Forschung betrieben. Besonders Hochtechnologien wie Künstliche Intelligenz, Drohnensysteme oder autonome Anwendungen stehen im Fokus, um die Soldaten technisch bestmöglich – und damit überlegen – auszustatten.
Die Bundeswehr geht davon aus, dass das InnoZBw auf bis zu 350 Dienstposten anwachsen soll. Erdings Oberbürgermeister Max Gotz rechnet zudem mit einer Vielzahl weiterer Jobs in den Start-ups. Neue Gebäude für das InnoZBw sollen übrigens nicht gebaut werden, wie Admiral Christian Bock, Leiter des Zentrums in Erding, bestätigte. „Wir nutzen die bestehenden Gebäude, denn wir haben gar keine Zeit, um auf Infrastruktur zu warten.“ Und Pistorius verwies auf die Lehren aus dem Krieg in der Ukraine: Dieser bilde die Realität des 21. Jahrhunderts ab. „Künstliche Intelligenz, Drohnentechnik, Datenübertragung, alles greift ineinander, immer schneller, immer innovativer.“ Gleichermaßen würden technologische Sprünge „das gesamte Schachbrett drehen und aus einem harmlosen Bauern eine gefährliche Dame machen“.PIR