Augsburg – Am 19. Mai um 23.51 Uhr wählte Alexandra H. den Notruf: „Meine Enkeltochter hat angerufen und gesagt, dass ihre Mutter auf dem Boden liegt und sehr viel Blut verliert.“ Als die Polizisten schließlich in dem Haus im Augsburger Stadtteil Haunstetten ankamen, fanden sie die 30-jährige Nina H. mit vier Kopfschüssen tot vor – daneben standen zwei ihrer drei Kinder, barfuß und im Schlafanzug.
Seit gestern muss sich Gino F. wegen Mordes vorm Landgericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft wollte der 29-Jährige mit der Tat Ninas Trennung von seinem Ziehvater Christian S. rächen. Er soll ihr regelrecht nachspioniert und von ihr gefordert haben, die Beziehung zu seinem Ziehvater wieder aufzunehmen. Nina H. hatte das aber entschieden abgelehnt, wie Staatsanwalt Thomas Junggeburth im Prozess sagte. Christian S. sei eifersüchtig und kontrollsüchtig gewesen, Gino F. soll ihm gegenüber hörig gewesen sein.
Der arbeitslose Landsberger schwieg zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Über seinen Verteidiger stritt er die Tat ab. Doch die Indizien belasten ihn schwer. Sein Name fiel das erste Mal bereits in der Tatnacht. Die achtjährige Tochter hatte mitangehört, wie ihre Mutter den Täter in der Küche überraschte. Die Stimme habe wie die von Gino geklungen, sagte das Mädchen ihrer Oma. Den Polizisten, die sie vom Tatort wegtrugen, sagte sie aber: „Der Mann sah aus wie der Papa.“
Deshalb klickten am nächsten Morgen gleich bei drei Personen die Handschellen: Beim Vater des Mädchens, bei Christian S. und bei Gino F. Sie kamen alle wieder frei, nur Gino F. wurde neun Tage später erneut verhaftet – an einer in seiner Wohnung gefundenen Wollmütze waren Blutspritzer des Opfers festgestellt worden. Zudem hatte er 961,21 Euro bei sich, deren Herkunft der Arbeitslose nicht erklären konnte. Auch die in einem Bach gefundene Tatwaffe Colt MK IV S70 Government belastete ihn: Sie ließ sich direkt ins familiäre Umfeld seines Ziehvaters Christian S. zurückverfolgen. Der hatte aber im Gegensatz zu Gino F. für die Tatnacht ein Alibi.