Anton Neudecker aus Hohenpolding.
Eigentlich hatte Anton Neudecker ja ganz andere berufliche Pläne. Er wollte Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Den Hof mit Gastwirtschaft in Gurnhub bei Hohenpolding (Kreis Erding) bewirtschaftete sein Onkel. Dann wurde der krank – Anton Neudecker und seine Familie übernahmen den Hof 1994 und steckten seitdem viel Pioniergeist, Engagement und Herzblut in den Betrieb. Eigentlich sind es sogar mehrere Bio-Betriebe. Barbara und Anton Neudecker haben neue Wege in der Kreislaufwirtschaft und der Energieautarkie beschritten und den Begriff Tierwohl mit Leben gefüllt – so begründete die Jury des Bundespreises Ökologischer Landbau, dass der Betrieb in Gurnhub ausgezeichnet wird. Die Verleihung fand während der Grünen Woche in Berlin statt.
„Wir haben uns sehr gefreut, dass unser Engagement honoriert wird“, sagt Anton Neudecker. Der 49-Jährige und seine Frau sind ein Powerpaar. Auch Barbara Neudecker hatte beruflich zuerst einen anderen Weg eingeschlagen. Sie war Bankkauffrau. Ihre Eltern starben bei einem Unfall, als sie 17 war. Sie musste plötzlich auf eigenen Beinen stehen, lernte die Landwirtschaft in der Abendschule und baute einen Teil des elterlichen Hofs in Landshut zu einer Pensionspferdehaltung um. Auch dabei wagte sie Innovationen. Heute ist die 50-Jährige für die Tiere und die Verwaltung zuständig, ihr Mann kümmert sich um den Ackerbau, die Technik und neue Projekte. Deshalb sitzt er selbst auch kaum mehr auf einem der Traktoren. Dafür beschäftigt er 15 Mitarbeiter, darunter einen Auszubildenden.
Zu den 70 und 30 Hektar der beiden Höfe kommen 300 Hektar Pachtfläche dazu. 80 Prozent davon werden zur Lebensmittelerzeugung genutzt. Einer der fünf Schwerpunkte neben Weizen, Dinkel, Soja und Kleegras ist der Anbau von Bio-Zuckermais. Eine zentrale Rolle spielt die ökologische Biogasanlage. Im Verbund mit 20 Bio-Betrieben der Region wird die Anlage zu über 50 Prozent mit Kleegras betrieben. Dazu kommen noch etwa 35 Prozent Mist aus weiteren Kooperationen. Eine PV-Anlage liefert die Energie für die Lastwagen und die E-Autos des Ehepaars und der Mitarbeiter. Durch Nutzung der Abwärme von Biogas- und Hackschnitzelanlage werden jährlich etwa 35 000 Liter Diesel und 100 000 Liter Heizöl eingespart. Ein Grünspeicher mit rund 1000 Kilowatt Kapazität ermöglicht es, die Betriebsgemeinschaft ganzjährig mit Strom zu versorgen.
Anton Neudeckers Ziel ist es, mit den eigenen Photovoltaikanlagen künftig völlig autark zu werden. „Wir warten nur noch auf den Anschluss an Bayernwerk.“ Es freut ihn, zeigen zu können, dass „ökologische Landwirtschaft nicht unbedingt ein kleiner Hof mit zehn Hühnern“ sein muss. Auch mit moderner Technik können Bio-Landwirte ein profitables Wirtschaftsunternehmen leiten, betont er. „Nur weil wir groß sind, müssen wir nicht schlechter sein.“ALEXANDRA ANDERKA