Bio boomt – Bauern zögern

von Redaktion

Zahl der Öko-Betriebe und Anbauflächen in Bayern gehen zurück

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt. Aber weniger Bauern steigen auf Öko um. © IMAGO/MPFoto71

München – Die Nachfrage nach Bio boomt, der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland ist allein im vergangenen Jahr um acht bis zehn Prozent gestiegen. Und doch sind die Bio-Bauern in Sorge: denn die Bio-Verbände melden einen Rückgang der Mitgliedsbetriebe um 3,4 Prozent. 261 Landwirte kehrten den Bioverbänden den Rücken. Und auch die landwirtschaftliche Fläche, die nach den Regeln der Landesvereinigung für ökologischen Landbau (LVÖ) angebaut wird, ist um rund zwei Prozent auf 346 000 Hektar gesunken.

„So schaffen wir keine 30 Prozent ökologisch bewirtschaftete Fläche bis zum Jahr 2030“, sagt Thomas Lang, Vorsitzender der LVÖ. Dabei bezieht er sich auf die Ankündigung der bayerischen Staatsregierung, die den Ökolandbau entsprechend steigern will. Dass sowohl die Zahl der Ökobetriebe als auch der Öko-Flächen trotz positiver Marktsignale zurückgegangen sind, führen die Bio-Verbände auf eine Verunsicherung bei den Öko-Bauern zurück. „Investitionen in die Zukunft müssen sich lohnen“, wirbt Lang für mehr Planungssicherheit gerade für junge Landwirte, die mit dem Gedanken spielen, den elterlichen Hof zu übernehmen. Die LVÖ fordert eine schnelle Umsetzung eines EU-Verfahrens zum Bürokratie-Abbau. „Für Bio-Betriebe muss die Düngebedarfsermittlung ganz abgeschafft werden“, so Lang. Und bei der strengen Weide-Pflicht für Bio-Rinder, die EU-Agrarkommissar Christophe Hansen vertritt, hoffen die Biobauern „auf eine gewisse Flexibilität“. Grundsätzlich gelte: „Biotiere gehören auf die Weide.“ Es gehe aber auch um mehr Platz im Stall und gutes Futter. Es schmerze jeder Bauer, der aus der Bio-Produktion aussteige, weil dessen Hof im Ort liege und er über keine Weidefläche verfügt. Man hoffe hier, auf der Bio Fach vom 10. bis 13. Februar, mit Hansen ins Gespräch zu kommen.

Die Umsatzzahlen des Biobereichs lassen sich sehen. Antonia Rees, Expertin für den Bio-Milchmarkt bei Bioland, berichtet, dass im vergangenen Jahr 23 Prozent mehr Bio-Milch und 6,8 Prozent Bio-Käse hergestellt wurden. Sogar bei der Bio-Butter gab es einen Zuwachs von fünf Prozent, obwohl die konventionelle Butter zuletzt für 99 Cent pro Päckchen im Einzelhandel verramscht wurde. Während der Milchpreis bei konventionellen Betrieben häufigen Schwankungen ausgesetzt sei, gebe es beim regionalen Biomarkt deutlich mehr Stabilität, so Rees. Ende 2025 lag der Preis, den Bauern für Bio-Heumilch erhielten, bei über 69 Cent. Allerdings bröckelt der Preis auch hier angesichts der hohen Milchmenge. Lang geht aber auch in diesem Jahr davon aus, dass der Abstand zwischen Bio- und konventioneller Milch bei „20 Cent und mehr liegen wird, weil wir in regionalen Kreisläufen wirtschaften“.

Nicht nur in der Milchproduktion sehen die Bio-Landwirte einen wachsenden Markt. „Es gibt eine starke Nachfrage nach Bio-Eiern, der Geflügelmarkt wächst deutlich“, sagt Stefan Zeiper von Naturland. Das Gleiche gelte für Bio-Rindfleisch. „Die Menschen essen weniger Fleisch, dafür mehr Biofleisch.“ Damit steige der Bedarf an heimischem Futtermittel – nach wie vor müsse Futtergetreide importiert werden.

Immer mehr Verbraucher greifen nach den Zahlen der Landesvereinigung auch zu regionalem Bio-Gemüse. Gute Markbedingungen gebe es für Pilze. Als Trend macht Zeiper das sogenannte „fiber waxing“ aus: Eine neue Bewegung, die sich auf die Maximierung der Ballaststoffzufuhr konzentriert, indem gezielt ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen in jede Mahlzeit integriert werden, um Verdauung, Sättigung, Blutzucker und Darmgesundheit zu fördern.CLAUDIA MÖLLERS

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