Kein Schmuckstück, eher ein Zweckbau: der neue Interimsbahnhof. © DB
München – Der Münchner Hauptbahnhof bekommt ein neues zentrales Funktionsgebäude. Ab März werde mit dem Bau eines Interimsbahnhof-Gebäudes am südlichen Bahnhofsausgang begonnen, kündigte die Bahn gestern an. In dem fünf Stockwerke hohen Gebäude sollen neben Büros für die DB-Mitarbeiter ein Reisezentrum, Schließfächer, Fundbüro und die DB Lounge untergebracht werden. Platz für eine eigentlich dringend nötige Gastronomie gebe es allerdings nicht, sagte Kai Kruschinski, DB-Projektleiter für die 2. Stammstrecke. Nur eine Kantine für DB-Leute ist vorgesehen.
Das neue Bahnhofsgebäude ist notwendig, weil der Bahn der Platz ausgeht. Das heutige Reisezentrum, ohnehin schon ein Provisorium, muss weg, weil die Bahn dort ein sogenanntes Vorhaltebauwerk für die spätere U9 errichtet. Dieser Bahnhof im Rohbauzustand wird später wieder verschlossen – die Milliarden für den Bau der eigentlichen U9-Linie sind bisher nicht in Sicht.
Das neue Gebäude soll Mitte nächsten Jahres fertig sein. Es werde „Dreh- und Angelpunkt für die Fahrgäste in den nächsten zehn Jahren werden“, sagte Kruschinski. Ein richtiges Schmuckstück dürfte das Gebäude allerdings nicht werden. Geplant sei „Modulbauweise“. Obwohl es über 20 Millionen Euro kostet, wird es nach zehn Jahren wieder abgerissen – spätestens, wenn der neue Hauptbahnhof fertig ist. „Momentan“ ist dafür das Jahr 2038 ins Auge gefasst, sagte Kruschinski. Er kündigte an, dass 2026 auch auf der Nordseite Abbrucharbeiten anstehen: Der Randbau entlang von Gleis 26 kommt weg, zudem das Gebäude am Starnberger Flügelbahnhof. Am Flügelbahnhof selbst soll der Betrieb aber wie gewohnt weitergehen.
Auch an anderen Stellen gehen die Bauarbeiten für die 2. Stammstrecke in diesem Jahr voran. „2026 ist das Jahr, wo sich die intensiven Vorbereitungen auszahlen“, sagte der Projektleiter. So wird in Laim der neue Bahnsteig komplett in Betrieb genommen. Dafür allerdings wird der alte Bahnsteig, an dem die S-Bahnen aus dem Westen ankommen, gesperrt und abgerissen. Ab Juni können alle S-Bahnen aus Pasing nicht mehr in Laim halten. Nächster Umstieg: Hirschgarten.
Weniger betroffen sein werden die Fahrgäste von dem Baugeschehen nahe der Donnersbergerbrücke. Im September soll wie berichtet der Bau des Erkundungs- und Rettungsstollens beginnen. Dieser Tunnel hat fünf Meter Durchmesser und ist damit kleiner dimensioniert als die beiden S-Bahn-Röhren, mit deren Bau 2028 begonnen werden soll. Die erste Tunnelbohrmaschine für den Rettungsstollen, 178 Meter lang und 700 Tonnen schwer, wird derzeit von der Herrenknecht AG in Baden-Württemberg gefertigt und dann in Einzelteilen zur Baugrube geliefert. Die Maschine soll den Stollen zunächst drei Kilometer bis zum Marienhof treiben. Der Stollen wird mit Betonfertigteilen, sogenannte Tübbingen, verkleidet. Nebeneffekt: Der maschinelle Vortrieb soll weitere Erkenntnisse zum Baugrund liefern, etwa zu Grundwasserschichten und Gesteinsarten. „Der Tunnelbauer sagt: Hinter der Hacke ist es dunkel“, so Kruschinski – man wisse nie so genau, was einen erwarte.
In der Endstufe sollen sechs Tunnelbohrmaschinen im Einsatz sein. Neun Güterzüge täglich würden dann benötigt, um den Erdaushub wegzufahren. Zum Zeitplan sagte der Projektchef: „Wir peilen 2035 als Jahr der Fertigstellung an.“ Der Terminplan sei nun „gut und robust“. Die Kosten werden derzeit auf 9,4 Milliarden Euro geschätzt, sagte der kaufmännische Leiter des Großprojekts, Christoph Kraller. Verbaut seien jetzt schon 1,8 Milliarden.DIRK WALTER