Aufgalopp für den Fasching

von Redaktion

Großer Gaudizug am Sonntag – Reportage vom Wagenaufbau der Damischen Ritter

Im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz laden die Ritter Trumm für Trumm in einen Auto-Anhänger (Foto links). Dann geht‘s nach Freimann – und an diesem Sonntag dann durch Münchens Straßen.

Sepp (73, Foto li. v.li.), Moritz (37) und Ralf sind glücklich nach getaner Arbeit. Fotos rechts: Alois (o.) und Sepp (u.) beim Schleppen und Verladen der Teile für den Wagen. © Michaela Stache (4), Jens Hartmann (2)

München – Vor der großen Gaudi wartet viel Arbeit im Keller des Löwenbräukellers. Acht Tage vor dem beliebten Faschingszug (s. Kasten unten) treffen sich dort die Damischen Ritter. Hier lagern die Bauteile ihres Burgwagens. Jedes Jahr schrauben sie ihn wieder zusammen. Bodenplatten, Holzbalken, Wandverkleidungen: Trumm für Trumm rollen sie auf Wägen zu einem Lastenaufzug. Oben wartet dann ein Auto mit großem Anhänger. „Hot der an Schuah?“, fragt Ralf Reitmeir (60), als Mit-Ritter Flo Stelzer (32) einen Balken in den Hänger lupfen will. Mit dem „Schuah“ meint er ein angeschraubtes Metall-Verbindungsstück. Flo nickt. Und Ralf, der im Hänger steht, zeigt nach links. „Dann muass der do hi.“

Er weiß, was wie eingeladen werden muss, damit der Aufbau gut klappt. Dafür fahren sie den Hänger zum Abschleppdienst Eichenseher nach Freimann. Ralf hat den Wagen, wie er jetzt aussieht, vor fast zwölf Jahren neu geplant. 200 Teile sind‘s, schätzt er. Heuer dauert alles etwas länger als sonst.

Damische Ritter: So heißt die Gruppe, die aktuell aus 49 Männern besteht und diesen Sonntag wieder den Faschingszug organisiert. Damisch sind Leute, die ein bisserl verwirrt sind. Oder verrückt nach etwas. Oder kindischen Humor lieben. Und eine Freude an Albernheit verbindet die gesellige Vereinigung der Turmfalken allemal. Das ist ihr offizielller Vereinsname, nur im Fasching sind sie die Damischen Ritter.

„Männer bleiben immer Kinder“, sagt Flo Stelzer und grinst. Er ist seit 2012 dabei, da war er 18. „Schon der Opa von meinem Spezl Simon war dabei.“ Das brachte beide zum Verein und Flo schätzt die Gemeinschaft. Der Älteste ist übrigens der Steidle Peps (98). Der könne freilich nicht mehr schleppen und schrauben, erzählt Chef Alex Filz. „Ihn und andere anrufen oder ihnen schreiben, das ist meine Aufgabe. Den Laden beinandhalten.“

Ungefähr zu zwölft werkeln sie heuer – wer halt Zeit hat. Mit dabei ist auch Albert Strauß (66). Er kennt Ritter Frank Ebeling vom Ausgehen im Feldmochinger Rattlesnake Saloon. „Und ich hab gedacht, der Albert kann gut mit Leuten, der passt zu uns“, sagt Frank. Als Vereinsanwärter hilft Albert etwa beim Wagenaufbau mit. So zeigt sich schnell, ob er sich mit den anderen versteht.

Gegen Mittag trudeln alle in Freimann ein. Schon kurz darauf spaziert Ritter Alois zum Baumarkt nebenan. Weil ein Gerüstbalken vorne unten fehlt, vielleicht noch im Löwenbräukeller liegt, kauft er ihn neu. Kosten: 34,70 Euro. Auch dafür gibt es die Vereinskasse.

Gegen 14 Uhr taucht noch ein Problem auf. Die Bodenplatten, die sie immer auf ein Gerüst schrauben, passen nicht ganz. Ralf probiert es erst mit der Säge, dann fangen sie noch mal ganz von vorn an. Sie drücken, klopfen, hämmern. So machen sie es auch mit den Außenwänden. „A Schlagerl no!“, ruft Ritter Sepp. Ralf schlägt und dann passt alles. Er grinst. „Des is halt koa Uhrwerk, ge.“ Und der TÜV nimmt alles ja eh noch ab.

Am späten Nachmittag ist Feierabend. Manche haben noch Termine, deshalb werkeln sie am nächsten Vormittag weiter. Diesen Samstag laden sie noch die 1000 Kilo Guadl ein – und am Sonntag galoppieren sie endlich los.REGINA MITTERMEIER

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