DAS PORTRÄT

Bayerische Lebensart und teure Uhren

von Redaktion

Don Hugl aus dem Landkreis Dachau. © cc

„Servus, griasd eich…“ – so beginnt Don Hugl seine Instagram-Videos. Er präsentiert über seine Social Media Kanäle Luxusuhren. Er begann anonym, der Erfolg blieb überschaubar. Dann trat er selbst vor die Kamera. Und das so authentisch wie möglich. Im Dialekt sprach er über seine Uhren, ließ bayerische Bodenständigkeit und die Welt des Luxus auf einandertreffen – und seine Follower-Zahlen explodierten. Heute folgen dem 27-Jährigen aus dem Landkreis Dachau unter don.hugl mehr als 10 000 Menschen. Manchmal kann er das selbst kaum glauben. Er ist auf einem Bauernhof im Dachauer Hinterland aufgewachsen, träumte als Teenager davon, Profi-Boxer zu werden. Er trainierte diszipliniert, schaffte es in den Bayernkader und wurde bayerischer Vize-Meister. Der Boxsport formte ihn – körperlich und mental. Bis er merkte, dass er sich keine Zukunft im Boxring vorstellen kann. Er machte eine Lehre in einem Metallverarbeitungsbetrieb. Doch die Leidenschaft für diesen Beruf fehlte ihm. Dann half der Zufall nach. „Mein Bruder hatte eine Freundin, deren Vater einen Uhrenladen in München hatte“, erzählt er. „Uhren fand ich schon immer interessant.“ Er entschied sich für eine Uhrmacherlehre. Ihn faszinierte das Zusammenspiel kleinster Zahnräder, das leise Ticken hochwertiger Uhrwerke – und auch der Vertrieb. Vor allem Luxusuhren hatten es ihm angetan. Also wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit.

Erst eröffnete Hugl einen ersten kleinen Laden in München. Dann lernte er seinen heutigen Geschäftspartner kennen – einen Diamant- und Schmuckexperten. Die beiden ergänzen sich perfekt. Der eine kennt sich mit Uhren und Gold aus, der andere mit Edelsteinen. Und dann half ihm Instagram, über die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu werden. Inzwischen locken die Videos Kunden in seinen Laden. Ein Mann ist sogar einmal aus Singapur angereist – er wollte den Uhrenhändler mit dem bayerischen Dialekt und der offenen Art persönlich kennenlernen.

Hugl hat es geschafft, bodenständig zu bleiben. Und er träumt bereits den nächsten Traum: „Fernsehen könnt ich mir vorstellen.“ Zum Beispiel als Experte bei Formaten wie „Bares für Rares“. Das wäre genau sein Ding. Uhren erklären, Geschichten erzählen, authentisch sein. Er will Luxusuhren über seine Persönlichkeit verkaufen, nicht über eine Inszenierung. In einer Welt voller Hochglanz will er er selbst sein.CHRISTIAN CHYMYN

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