Bis die Goaßl kracht

von Redaktion

Tausende Besucher bei Brauchtumsfest im Rupertiwinkel: Auch die Jugend schnalzt fleißig

Selbstversuch: Redakteurin Andrea Stinglwagner.

So sehen Sieger aus: Die Schnalzer der Jugend 1 aus Ainring.

Schon ein Profi: Der sechsjährige Hansi Heidenthaler.

Schnalzen ist Männersache? Von wegen! Beim Treffen im Rupertiwinkel sind die Frauen schon seit den 70er-Jahren aktiv mit dabei. © Astrid Schmidhuber (4)

Kirchanschöring – „Aufdrahd! Oane, zwoa, drei – dahi‘ geht‘s!“, brüllt der kleine Hansi. Der Sechsjährige in Lederhosn und Trachtenjanker ist der Vorderste in der Reihe, der sogenannte Aufdreher. Hochkonzentriert hören seine acht Mitstreiter auf ihn. Und jetzt schnalzt‘s: Kurz in der Luft geschwungen, dann mit aller Kraft links und rechts! Elfmal lassen sie es knallen – oder wie der Fachbegriff heißt: Elfmal tuscht‘s!

Hansi Heidenthaler und seine Gruppe (genannt „Passe“) vom Trachtenverein Edelweiß Roth-Kirchanschöring haben lang auf diesen Moment hintrainiert: das große Rupertigau-Preisschnalzen an diesem Wochenende in Kirchanschöring nahe dem Waginger See. Ein Riesen-Ereignis in der Region: 2500 Schnalzer und tausende Zuschauer aus dem Rupertiwinkel und dem angrenzenden Salzburger Flachgau sind gekommen. Besonders schön zu sehen: 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren machen begeistert mit.

Wie wichtig das Schnalzen hier für alle ist – das kann man kaum beschreiben, sagt Rudi Roider (44), der Vorsitzende der Schnalzervereinigung Rupertiwinkel. „Das ist ein Lebensgefühl. Die Geselligkeit ist eins, der Wettkampf das andere. Alle üben, um zu gewinnen. Man sieht das Funkeln in den Augen, da geht dir‘s Herz auf. Und es schweißt uns alle zusammen.“

Diesen Brauch gibt es nämlich nur hier, und nur zwischen Stephanitag, 26. Dezember, und Faschingsdienstag: Das Aperschnalzen (siehe Text unten) ist etwas ganz anderes als das Goaßlschnalzen, das man bayernweit von Volksfesten oder Kirchweih kennt. Dabei wird mit der Fuhrmannsgoaßl geschnalzt: längerer Griff, kürzeres Seil. Beim Aperschnalzen aber ist der Holzstiel kürzer, das Hanfseil mit dem Stück Bast am Ende, das die Schallmauer durchbrechen soll, misst schon bei der Jugend bis zu 2,20 Meter.

Auffällig: Schon seit Ende der 70er-Jahre sind hier auch die Frauen dabei. „Das ist nicht nur fesch anzuschauen, die stehen den Männern auch in nix nach“, sagt Roider. Bei anderen Goaßlschnalzern dürfen erst ab heuer die ersten weiblichen Schnalzer bei der Bayerischen Meisterschaft mitmachen, wie kürzlich in Miesbach beschlossen wurde. Katharina Steinmaßl (9) aus Kirchanschöring jedenfalls betont: „Da is gar koa Unterschied, ob ma a Mädel is oder a Bua. Es macht Spaß!“

Wer gewinnt – darüber entscheiden sieben Preisrichter. Sie sitzen während des Wettbewerbs in einem geheimen Raum nahe der Schnalzerwiese (niemand, auch nicht die Heimatzeitung, durfte erfahren, wo genau). Abgeschottet, ohne Blickkontakt, um niemanden bevorzugen zu können. Nur nach Gehör bewerten sie den Takt und die Lautstärke und vergeben Punkte. Roland Schoibl aus Wals in Österreich gehört zur Jury. „Der Abstand zwischen den Tuschern sollte immer gleich sein“, erklärt er.

Und wer war am Ende der Beste? Die Burschen aus Ainring (Berchtesgadener Land) gewinnen den großen Schnalzerkrug und die begehrte Wandergoaßl. Hansi und seine kleinen Mit-Schnalzer landen auf einem hinteren Rang. Aber der Sechsjährige sagt eh, was ihm am besten gefällt: „Wenn‘s tuscht!“ ANDREA STINGLWAGNER

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