Eine Stadt gegen die AfD

von Redaktion

Großdemo: Pläne für ein Veranstaltungszentrum beunruhigen Weilheim

Ein Schild weist den Weg zum ehemaligen Kino, in das die AfD einziehen möchte. © Britta Schultejans/dpa

„Für ein buntes Weilheim“ – Auch diese Schülerinnen demonstrierten. © Felix Hörhager/dpa

Der Marienplatz in Weilheim war überfüllt, weitere Demonstranten wichen auf die umliegenden Straßen aus. © Emanuel Gronau

Weilheim – Pläne für ein Veranstaltungszentrum der AfD in Weilheim treiben die Bürger auf die Straße. Laut Polizei demonstrierten dort am Samstag rund 5000 Menschen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus in Deutschland – und in der eigenen Stadt.

Der Anlass der Demo, zu der das Bündnis „Wir in Weilheim“ und der Verein „Nie wieder!“ aufgerufen hatten, liegt nur wenige Gehminuten vom Weilheimer Marienplatz entfernt: Im ehemaligen Starlight-Kino will die AfD eine Art überregionales Veranstaltungszentrum einrichten. Direkt gegenüber ist ihr Bürgerbüro. Vor Monaten konnte die Partei auch das ehemalige Kino mieten. Seitdem befürchten viele in Weilheim, dass es zum Anlaufpunkt für Rechtsextremisten aus Nah und Fern werden könnte.

Nach Angaben der Stadt wurde am 15. Januar eine Nutzungsanzeige von Benjamin Nolte und Gerrit Huy gestellt. Demnach hat die Partei vor, dort „ein Büro mit Veranstaltungsraum“ einzurichten. Huy sitzt für die AfD im Bundestag, Nolte ist AfD-Abgeordneter im Bayerischen Landtag und kandidiert bei der Kommunalwahl als Landrat im Landkreis Weilheim-Schongau. „Wir haben dieses Kino tatsächlich schon seit mehreren Monaten angemietet“, sagt er in einem Video, das er auf Instagram postete.

„Wir Deutschen, wir haben das Recht, uns geschlossen unter Gleichgesinnten zu treffen und auszutauschen“, betont er darin und ruft dazu auf: „Besuchen Sie uns doch gerne einmal hier vor Ort in unserem neuen Kino.“ Was genau die AfD vorhat, bleibt ungewiss. „Die Partei plant kein Kulturzentrum oder Ähnliches“, sagt der Sprecher der AfD Bayern, Stefan Protschka, auf Anfrage der dpa. Mehr will er nicht sagen.

Die Demonstranten auf dem Weilheimer Marienplatz aber werden deutlich: „Wer demokratische Werte ablehnt, braucht kein Büro“, steht auf Plakaten. „Kein Popcorn für Nazis“, heißt es, und „Kein Propagandazentrum in Weilheim“. Als erster Redner tritt der Weilheimer Bürgermeister Markus Loth (Bürger für Weilheim/BfW) auf. „Wir möchten diesen Veranstaltungsort nicht haben, denn er bringt Unruhe und Unsicherheit in unsere Stadt“, sagte er vorab. Nach Bekanntwerden der Pläne hatte der Stadtrat einstimmig eine Erklärung für Toleranz und Demokratie verabschiedet. Sie liegt weiterhin im Rathaus aus – jeder könne unterschreiben, sagt Loth. Außerdem sollen weitere Veranstaltungsstätten in der Innenstadt per Bebauungsplan künftig verboten werden. Der offizielle Grund: zu wenig Parkplätze.

Immerhin habe der Stadtrat inzwischen etwas getan, auch wenn es dafür Druck von außen gebraucht habe, sagt Student Jasper auf der Kundgebungsbühne. Lange agierte die Stadt unsicher, gab es in Weilheim nur wenig Widerstand gegen die AfD-Pläne. Und: Nicht jeder in Weilheim wolle so offensiven Widerstand, sagt der katholische Stadtpfarrer Paul Igbo in seiner Rede. Konservative Pfarreimitglieder hätten ihm erklärt, sich nicht vertreten zu fühlen, „wenn ich hier auftrete“. Aber: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“

Hauptrednerin auf der Demonstration ist die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Ursula Münch. Den „Großmäulern“ dieser Partei gegenüber tolerant zu sein, sei falsch. Denn „heute gehört man noch dazu, und morgen steht man auf einer Liste“. Am Ende intoniert die Stadtkapelle die Europa- und dann die Nationalhymne. Der ganze Marienplatz stimmt ein: „Einigkeit und Recht und Freiheit“.BRITTA SCHULTEJANS VRONI MAHNKOPF

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