Prozess um verhungertes Kind

von Redaktion

Die Folter-Eltern gestern in Innsbruck vor Gericht. © mm

Innsbruck – Als ein Video des vor Hunger schreienden Elias im Innsbrucker Schwurgerichtssaal gezeigt wurde, schlugen die Geschworenen vor Entsetzen die Hand vor den Mund. Am Montag mussten sich seine Eltern (beide 27) wegen Mordes an ihrem dreijährigen Sohn verantworten. Von Dezember 2023 bis Mai 2024 quälten sie das Kind im Dorf Ebbs an der Grenze zu Bayern zu Tode und machten sich in 125 492 Chat-Nachrichten auch noch darüber lustig. Mit den Geschwistern gingen sie dagegen noch einen Tag vor Elias’ Tod zum Essen. „Ich bekenne mich schuldig“, sagte Mutter Nathalie. Ihr Mann Kevin entschuldigte sich: „Ich bereue es jeden Tag.“ Doch die verlesenen Chat-Nachrichten klingen völlig anders. „Dieses Medium gehört gefoltert“, schrieb er. Sie antwortete: „Es darf nicht einfach nur sterben, es muss eine große Strafe sein.“ Mit „Medium“ und „es“ war Elias gemeint.

Staatsanwältin Verena Pezzei erklärte die Wahnwelt der Angeklagten: „Sie empfanden ihre Lebenssituation als unerträglich und haben sich in eine mystische Scheinwelt geflüchtet. In der gab es eine alte Frau, die mit schwarzer Magie das Leben der Familie bestimme. Dieser Dämon stecke im Körper ihres eigenen Sohnes.“ Sie hätten den Dämon vernichten wollen, deshalb habe Elias sterben müssen. Wenn er etwas zu essen bekam, waren es nur abgezählte Gurkenscheiben. Er wurde nackt ins WC gesperrt, heiß und kalt abgeduscht. Eine Kamera übertrug sein Martyrium auf die Handys der Eltern. Als der Vater am 20. Mai 2024 doch den Notruf wählte, sagte er, das Kind habe nichts essen wollen. Es wog bei seinem Tod nur 7140 Gramm, so viel wie ein vier Monate alter Säugling. Das Gericht verurteilte die Eltern wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Die Mutter wird in eine forensische Einrichtung eingewiesen.

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