Clejuso-Polizei-Handschellen mit dazugehörigen Schlüsseln
München – Nach Berichten über im Internet frei erhältliche Generalschlüssel für Handschellen der bayerischen Polizei zieht das Innenministerium Konsequenzen. „Wir prüfen sinnvolle Maßnahmen, die wir unternehmen können“, sagte ein Sprecher. „Dass passende Schlüssel zum Öffnen der Handfessel öffentlich verkauft werden, nehmen wir sehr ernst.“ Der BR hatte zuerst darüber berichtet.
Hintergrund war ein Fall in Mittelfranken, bei dem ein Festgenommener sich vermutlich aus Handschellen befreien konnte. Sehr schnell und sehr breit seien die Beamten bayernweit darüber informiert worden, dass solche Schlüssel im Umlauf sein könnten, erläuterte das Innenministerium dazu. Im Intranet der bayerischen Polizei werde ausdrücklich auf die potenzielle Gefahr hingewiesen. „Grundlage jeder Fesselung ist eine sorgfältige Durchsuchung der betroffenen Person, um Gegenstände zu finden, die eine Selbst- oder Fremdgefährdung oder eine Flucht ermöglichen könnten“, erläuterte das Ministerium. Dabei sollten die Beamten nun auch explizit auf Schlüssel achten. Das Herstellerunternehmen wisse um das Problem. „Nach unserer Kenntnis hat das Unternehmen bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt, um den Verkauf der Schlüssel zu untersagen“, sagte der Ministeriumssprecher. Geprüft werde zudem, „ob weitere rechtliche, organisatorische oder einsatztaktische Maßnahmen erforderlich sind“. Die Handschellen des Modells „Clejuso Nr. 9“ sei bereits im Jahr 2009 bei der Polizei im Freistaat eingeführt worden und habe sich seither bewährt.
Beamte hatten in Mittelfranken im November einen Mann wegen Verdachts auf ein Drogendelikt vorläufig festgenommen und mit Handschellen gefesselt. „Die Handschellen waren fest“, betonte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. In einem günstigen Moment habe der Mann die Flucht ergriffen. Die Beamten holten ihn schnell ein – aber die Handschellen waren verschwunden. So ergab sich der Verdacht, dass er einen Schlüssel hatte.DPA