Schüler Jonathan: Tiktok ist eh nur schnelle Unterhaltung. © Marcus Schlaf
Jugendliche am Smartphone: Ist ein Verbot sinnvoll? © StockPlanets/Getty
München – Ein Alltag ohne Soziale Medien ist für viele Jugendliche unvorstellbar. In Australien ist das aber Realität. Seit zwei Monaten sind dort Soziale Medien wie Youtube, Tiktok und Instagram für unter 16-Jährige verboten – erlaubt sind nur Messenger- und Spiele-Dienste wie Whatsapp und Roblox. Dänemark, Frankreich, Spanien und Großbritannien erwägen ähnliche Schritte. Auch in Deutschland nimmt die Diskussion Fahrt auf. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) erklärte jüngst, ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter könne sie sich persönlich vorstellen. Die CDU Schleswig-Holstein will das Verbot auf dem CDU-Bundesparteitag am 20./21. Februar zur Diskussion stellen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte ein Verbot hingegen – auf Instagram – „völlig realitätsfremd“, auch SPD und Linke sind gegen pauschale Verbote.
Aber wie würden Jugendliche auf ein solches Verbot reagieren? Unsere Schüler-Praktikanten, Nova Rehfeld (14) vom Max-Planck-Gymnasium in München-Pasing sowie Jonathan Weller (16) vom Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Bad Tölz, erklären., wie sie mit Instagram, Tiktok & Co. umgehen und sie haben auch ihre Mitschüler dazu befragt.
Nova, 14 Jahre, München: „Ich habe Instagram, Youtube, Twitch und Pinterest auf dem iPad. Mit Twitch kann man sich Livestreams ansehen. Auf Youtube bin ich maximal zwölf Stunden in der Woche, schaue zum Beispiel, was meine Lieblingsbands dort reinstellen. Würde das nach dem Verbot für mich wegfallen, fände ich das nicht besonders schlimm. In meinem Umfeld sind mehrere Kinder von Cyber-Mobbing oder Sucht betroffen, diesen oder ähnlichen Problemen kann mit einem Verbot entgegenwirken. Allerdings finde ich das Mindestalter von 16 zu hoch, 13 oder 14 wäre besser.“
Nina, 14 Jahre, München: „Ich bin gegen das Verbot von Social Media für unter 16-Jährige, da man durch die Sozialen Netzwerke wie etwa Snapchat auch gut mit Freundinnen und Freunden den Kontakt halten kann. Wenn das Verbot doch käme, dann würde ich es auf Kinder unter 13 einschränken, da man auf Apps wie Tiktok auch oft auf verstörende Inhalte trifft.“
Shamita, 14 Jahre, München: „Ich bin ungefähr zwei Stunden pro Tag am Handy und benutze beispielsweise Youtube und Pinterest. Da ich bestimmten Fandoms angehöre, würde ich es schon schade finden, wenn ich meinen Lieblingsinfluencern nicht mehr folgen könnte. Trotzdem wäre ein Verbot meiner Meinung nach gar nicht schlecht.“
Jonathan, 16 Jahre, Bad Tölz: „Ich bin für ein Verbot von Social Media, jedoch würde ich dieses nur für unter 14-Jährige einführen. Besonders an meiner Schule bemerke ich, wie leicht jüngere naive Kinder von Online-Inhalten beeinflusst werden und wie sehr dieser uneingeschränkte Internetzugang ihre Zukunft prägen kann. Ich persönlich nutze Instagram und Youtube – da gibt es ja auch Erklärvideos, hauptsächlich schaue ich mir die für Mathe an. Whatsapp habe ich auch, aber das soll ja nicht verboten werden. Tiktok habe ich nicht, das ist nur schnelle Unterhaltung und hat für mich keinen Nutzen.“
Bruno, 14 Jahre, Bad Tölz: „Über dieses Thema diskutieren wir zurzeit auch im Deutschunterricht. Ich fände so ein Verbot nicht gut, da die Jugendlichen so viel weniger Kontakt mit ihren Freunden pflegen, den Anschluss verlieren könnten und dadurch ausgeschlossen würden. Und durch so ein Verbot würden wir die Möglichkeit verlieren, unsere Meinung online zu äußern.“
Levin, 15 Jahre, Bad Tölz: „Ich bin zwiegespalten, was ein Social-Media-Verbot betrifft. Es würde mir sicherlich helfen, mich auf relevantere Themen mehr zu fokussieren und meinen Alltag produktiver zu gestalten, zum Beispiel mit Sport oder mehr Lernen. Aber Soziale Netze sind ein großer Bestandteil der Vernetzung, vor allem mit Freunden. So kann man sich zum Beispiel über lustige Videos austauschen. Aber da ich ja in diesem Jahr 16 werde, denke ich, dass ein Social-Media Verbot für unter 16-Jährige für mich nicht tragisch wäre.“
Viktoria, 15 Jahre, Bad Tölz: „Ein Social-Media-Verbot wäre für mich persönlich kein großes Problem. Schule und Sport beanspruchen schon einen Großteil meines Tages, da bleibt eh nicht mehr so viel Zeit fürs Handy. Trotzdem fällt mir in meinem Umfeld auf, dass es Jugendliche gibt, die die ganze Zeit online sind – fast wie eine Sucht. Dabei leidet zunehmend die direkte, persönliche Kommunikation. Trotzdem halte ich ein generelles Verbot bis 16 Jahre für zu streng. Viele Jugendliche können schon früher verantwortungsvoll mit Sozialen Medien umgehen. Zudem wird der Umgang mit iPads in der Schule aktiv gefördert, weshalb ich keinen klaren Grund sehe, Social Media komplett zu verbieten. Sinnvoller fände ich ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren.“