Floßunternehmer Sepp Seitner aus Wolfratshausen. © his
Schon Josef Seitners Großvater war Flößer, wie ein Foto von 1909 zeigt. Sepp Seitner, inzwischen 78 Jahre alt, ist ihm und seinem Vater nachgefolgt. Schon als Bub half er um halb fünf Uhr morgens vor der Schule beim Floßbau. Vor ihrem 200 Jahre alten Haus an der Loisach lagen damals Fichtenstämme für die nächste Fahrt bereit. „Mein Bruder und ich haben uns oft sehr geplagt mit den Brettern“, erinnert sich Seitner. Fahren oder lieber an Land bleiben? Jeden Tag um vier Uhr morgens müsse man anhand des Wasserstands und der noch zu erwartenden Niederschläge abschätzen, ob die Fahrt zu gefährlich werden könnte. Seitner nahm sich den letzten Rat seines Vaters am Sterbebett immer zu Herzen: „Bua, bei Hochwasser musst‘ aufpassen. Du musst einen kühlen Kopf behalten und darfst keine falsche Entscheidung treffen.“ Mit 28 übernahm er den Betrieb, 50 Jahre lang entschied er richtig.
Seit 1910 gibt‘s Touristenfahrten über Loisach und Isar bis nach München. Mit zwei anderen Floßunternehmen in Wolfratshausen und Wackersberg bewahrt Seitner das Immaterielle Kulturerbe der Flößerei. Früher gab es „mehr Nackade an der Isar“, erinnert sich der Senior und lacht. Madln seien barbusig zum Floß geschwommen, um sich ein Bier zu holen. „Da hab ich natürlich immer weggeschaut.“ Seit vier Jahren und einer Bein-OP steht Seitner nicht mehr selbst auf dem Floß. Als es zum ersten Mal ohne ihn ablegte, kamen ihm Tränen. Das Loslassen falle schwer: „Ich bin mit Leib und Seele Flößer.“ Floßführerinnen sind seine zwei Töchter nicht geworden, aber im Familienbetrieb halten sie jetzt das Ruder in der Hand. CLARA WILDENRATH