Horrorunfall am Gleis

von Redaktion

S-Bahn erfasst Auto: 53-Jährige stirbt an unbeschranktem Bahnübergang

Der unbeschrankte Bahnübergang bei Siegertsbrunn. Hier kracht es immer wieder.

Völlig demoliert: Der Fiat wurde von der S-Bahn mehrere hundert Meter mitgeschleift. © Thomas Gaulke (2)

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Für Ortskundige ist es eine beliebte Abkürzung auf dem Weg von oder nach Siegertsbrunn: die Faistenhaarer Straße, die von der Ortsumfahrung bei Höhenkirchen im Kreis München abzweigt. Aber diese Stelle hat eine doppelte Tücke. Erst muss ein Radweg und direkt danach ein unbeschrankter Bahnübergang überquert werden. Genau hier kam es am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr zu einem schrecklichen Unfall. Eine 53-jährige Frau kam ums Leben, als eine S-Bahn ihr Auto frontal erfasste. Die Fiat-Fahrerin aus dem Kreis Traunstein hatte das rote Blinklicht am Bahnübergang ignoriert.

Wie die Polizei berichtet, konnte die heranfahrende S-Bahn der Linie S5 trotz Schnellbremsung nicht mehr rechtzeitig stoppen. Der Zug erfasste den Fiat frontal auf dessen Beifahrerseite und schleifte das Auto mehrere hundert Meter mit. Noch vor Ort erlag die 53-Jährige ihren Verletzungen, der Hund in ihrem Auto überlebte. Der Lokführer und alle S-Bahn-Passagiere blieben unverletzt. Die Fahrgäste wurden mit einem Bus des Rettungsdienstes und unter Begleitung des Kriseninterventionsteams zum Bahnhof Höhenkirchen-Siegertsbrunn gebracht.

Es ist nicht der erste schwere Unfall an diesem Bahnübergang. Am 20. April 2008 starb dort ein VW-Fahrer, ein Zusammenstoß mit einem Pkw am 18. Juni 2013 endete ohne Verletzte, dagegen wurden beim Zusammenstoß eines Unimogs mit einer S-Bahn am 15. Juli 2015 vier Menschen verletzt. Und jetzt, nach fast 18 Jahren, wieder ein Todesdrama.

„Ich kenne diesen Bahnübergang seit Jahrzehnten, da ist schon einiges passiert“, sagt Christoph Pöttinger, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Höhenkirchen. „Ohne Schranken ist es halt gefährlich.“ Um Unfälle wie den vom Donnerstagabend zu verhindern, „müsste man den Bahnübergang entweder komplett sperren oder aber ihn nur noch für Landwirte freigeben“. Andererseits, auch dies betont der Feuerwehr-Kommandant: „Eigentlich müssten Autofahrer sich nur an die Verkehrsregeln halten. Es ist für mich unerklärlich, wie jemand das rote Blinklicht übersehen kann.“

Zu klären ist nun aber, wie es an dieser unfallträchtigen Stelle weitergehen soll. „Dieser Bahnübergang wird auf jeden Fall geschlossen“, kündigt Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung an. Die Diskussion gärt schon länger, letztmals hatte sich der örtliche Gemeinderat im September 2024 mit dem Thema befasst. „Für die Deutsche Bahn wächst nun die Dringlichkeit“, sagt Konwitschny. Sie hofft auf eine baldige Lösung.

Ihr Wunsch: den Bahnübergang mit Schranken oder Pollern zu schließen, sodass nur noch Feuerwehr und Rettungsdienst durchkommen. Die Bahn hatte 2024 vorgeschlagen, auf der Staatsstraße eine Ampelanlage zu errichten, die jedes Mal, wenn eine S-Bahn kommt, auf Rot springt. „Aber das nähme der Umgehungsstraße die Attraktivität“, sagt Konwitschny. Und für durchschnittlich 75 Fahrzeuge, die laut einer Verkehrszählung täglich den Bahnübergang überqueren, sei dies „eine unverhältnismäßig teure Lösung“. Also lieber ganz sperren – und Richtung Siegertsbrunn einen Wendehammer bauen, für den die Bahn allerdings erst Grundstücke erwerben müsste. Ein Bahnsprecher teilte gestern auf Anfrage mit, dass eine Erneuerung des Bahnübergangs je nach Fortschritt der nächsten Planungsschritte Anfang der 2030er-Jahre erfolgen könnte.MARTIN BECKER

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