München – Die Zunahme der psychischen Störungen seit der Corona-Pandemie hat sich laut dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK Bayern bei jugendlichen Mädchen auf einem besonders hohen Niveau verfestigt. In Bayern leiden Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren wesentlich häufiger als andere Minderjährige unter Angststörungen wie sozialen Phobien oder Panikattacken. Auch Depressionen und Essstörungen kommen in dieser Gruppe häufiger vor.
„Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis“, bestätigte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Michael Hubmann. „Wir sehen weiterhin eine hohe Rate an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Ängste spielen dabei eine große Rolle.“ Der Grund aus Hubmanns Sicht: „Die Krisen reißen nicht ab – Pandemie, Klimawandel, Kriege, gesellschaftlicher Druck, Zukunftsängste. Das alles bleibt im Alltag junger Menschen präsent.“
Die Verunsicherung wirkt sich offenkundig besonders stark auf die jugendlichen Mädchen aus. Dem Report zufolge wurden im Jahr 2024 rund 64 von 1000 bei der DAK versicherte weibliche Jugendliche wegen einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt. Da die Daten als repräsentativ gelten, waren hochgerechnet im Freistaat insgesamt rund 11 000 Mädchen in dem Alter betroffen. Im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 ist das ein Anstieg um 45 Prozent.
Besonders stark zugenommen haben spezifische Angststörungen wie soziale Phobien, die sich mit plus 194 Prozent seit 2019 nahezu verdreifacht haben. Auch Panikstörungen legten mit plus 86 Prozent seit der Pandemie stark zu. Rund 13 000 Teenie-Mädchen waren 2024 zudem wegen einer Depression in Behandlung.
Verdoppelt hat sich die Zahl der chronischen, also dauerhaften Angststörungen: Bei den heranwachsenden jungen Frauen stieg die Quote zwischen 2019 und 2024 von 8,6 auf 18,4 je 1000 Mädchen. Dies sei besonders alarmierend, betonte der Chefarzt der Kirinus-Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in München, Christoph Wewetzer. Soziale Phobien führten häufig zu Rückzug sowie zu chronischer Abwesenheit vom Schulunterricht.
„Aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht sind eine frühzeitige Diagnostik und die rasche Einleitung geeigneter Behandlungsmaßnahmen entscheidend, um langfristige Krankheitsverläufe zu verhindern“, so Wewetzer. „Dafür braucht es eine deutlich bessere Verzahnung ambulanter, teilstationärer und stationärer Angebote sowie eine gezielte Unterstützung von Familien mit geringen psychosozialen Ressourcen.“