Stau-Chaos und genervte Anwohner

von Redaktion

Blechlawine zum Ferienstart: Hunderte ignorieren die Ausfahr-Verbote auf der A8

Es ging nur quälend langsam voran: Am Samstag kam es in Bayern auf den Autobahnen A8, A7 und A95 zu kilometerlangen Staus. © 7aktuell.de | Ferdinand Dörfler

Klarer Hinweis auf der Salzburger Autobahn: Bei Stau ist das Abfahren untersagt. © IMAGO/Rolf Poss

Anger – Anne-Maria P. hat gehofft, dass es nicht so schlimm werden würde. Aber spätestens als sie am Samstag mit dem Auto unterwegs war, und „gefühlt 15 Minuten“ warten musste, bis sie in eine Straße einbiegen konnte, war ihr klar: Die Abfahr-Verbote an der A8, die ihren kleinen Heimatort Anger im Berchtesgadener Land an den Wochenenden vor zu viel Durchfahrtsverkehr schützen sollen, haben wieder einmal nicht funktioniert. „Es war ein Albtraum“, schildert die 71-Jährige die Verkehrssituation rund um das 4000-Seelen-Dorf. „Die Straßen waren komplett überfüllt, es gab kein Vor und Zurück.“

Die Polizeiinspektion Bad Reichenhall hat nach mehreren Anrufen genervter Anwohner an der Behelfsausfahrt für drei Stunden, von 13 bis 16 Uhr kontrolliert. Allein in diesen drei Stunden wurden 205 Autofahrer am Abfahren gehindert und zurück auf die Autobahn geleitet, sagte ein Sprecher der Polizei. „Das ist schon eine enorm hohe Anzahl.“

Der Start der Faschingsferien in Bayern, Thüringen und dem Saarland, hat im Freistaat vielerorts für Verkehrschaos gesorgt. Auch viele Niederländer waren an diesem Tag Richtung Skiferien unterwegs. Dort beginnen die Frühlingsferien am 21. Februar. Eltern mit noch nicht schulpflichtigen Kindern nutzen deshalb die Woche davor, um in die Ferien zu fahren.

In und rund um München kam der Verkehr aber nicht nur wegen des Reiseverkehrs zum Erliegen, sondern auch aufgrund der Sicherheitskonferenz in der Innenstadt sowie mehreren Demonstrationen. Die größte Kundgebung fand auf der Theresienwiese statt. Mehr als 250 000 Menschen, die teils aus ganz Deutschland angereist waren, protestierten dort gegen das iranische Regime (siehe München-Teil).

Ski-Urlauber, die die Knotenstelle München überwunden hatten, konnten jedoch noch lange nicht aufatmen. Auf den Autobahnen A8, A7 und A95 bildeten sich schon mittags kilometerlange Staus. Der Zeitverlust betrug zeitweise bis zu zwei Stunden. Oft sind in der Vergangenheit Autofahrer in diesen Situationen von den Autobahnen abgefahren und haben versucht, sich über die Dörfer durchzuschlagen.

Das ist vielerorts aber nicht mehr erlaubt. Im Berchtesgadener Land beispielsweise gilt seit dem September 2025 entlang der A8 an den Wochenenden und Feiertagen ein Abfahr-Verbot. Ziel dieser Regelung ist es, die Anwohner vor zu viel Verkehr und Lärm zu schützen.

Geklappt hat das in der Gemeinde Anger bisher nicht. Schon bei der ersten großen Bewährungsprobe, den Weihnachtsferien, ist an den Wochenenden eine Blechlawine durch das Dorf gerollt. Jetzt am Samstag haben sich die Szenen wiederholt. „Wir alle hatten so gehofft, dass die Abfahr-Verbote uns etwas entlasten würden“, sagt Anne-Maria P. Jetzt aber seien die Anwohner nur wütend: „Wir müssen feststellen, dass diese Verbote überhaupt nichts bringen.“ Mit großer Sorge blicke sie jetzt auf die Oster- und Pfingstferien. „Da wird es noch schlimmer. Also so wie immer.“B. OSSBERGER

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