Das Hochzeitsfoto von Olga und Roland Wania aus dem Jahr 1960.
Ein Blick ins Fotoalbum: Olga und Roland Wania sind seit 65 Jahren verheiratet – dabei musste es am Anfang ganz schnell gehen. © Dagmar Rutt (2)
Stockdorf – Das Schicksal hat Olga und Roland Wania einst zusammengeführt – und ein Hobby. Denn kennengelernt haben sich die beiden beim Skifahren, oder eher bei der Pause dazwischen. „Damals hat sich in Gauting im Winter alles am Buchendorfer Berg abgespielt“, erzählt der heute 86-Jährige. „Wir fanden uns gleich sympathisch und hatten viel Spaß miteinander.“ Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Und das zwischen einer „Gebürtigen“ und einem „Zuagroasten“, wie Wania schmunzelnd erzählt. Denn als kleiner Bub ist er zusammen mit seinen Eltern und seinen beiden großen Schwestern 1945 praktisch in letzter Sekunde aus dem Sudetenland geflüchtet. Die Familie schaffte es zu einem Onkel nach Niederpöcking, bald darauf wurden sie als Flüchtlinge bei Stockdorfern einquartiert. Und so verbrachte Roland seine Jugend in Gauting, lernte Bairisch und eben: das Skifahren.
Was für ein Glück. Denn nur so kam er zu seiner Olga. Und zur einer baldigen Verlobung. Die Hochzeit kam dann etwas plötzlich: Vom Wehrersatzamt kam ein Einberufungsbefehl, der junge Roland sollte den wieder eingeführten Wehrdienst ableisten, bei der Panzerbrigade in Landsberg. Doch von Panzern war der junge Roland nicht sonderlich überzeugt, er hatte sich seinen Dienst als Gebirgsjäger vorgestellt. Also schrieb er einen höflichen Brief an das Kreiswehrersatzamt, ob es denn nicht möglich sei, dass man seinen Dienst in dem Bereich ableisten dürfe, für den man sich interessiere – und überhaupt sei er so gut wie verheiratet. Das Kreiswehrersatzamt schrieb höflich zurück, dass er in diesem Fall schnellstmöglich seine Heiratsurkunde übersenden solle. „Und so haben wir recht kurzfristig geheiratet, am 27. Dezember 1960“, erzählt Wania lachend.
Eine Entscheidung, die sich nun schon 65 Jahre bewährt hat. Vor einigen Wochen feierten die beiden, die mittlerweile in Stockdorf wohnen, ihre Eiserne Hochzeit zusammen mit der ganzen Familie. Die beiden bekamen zwei Söhne. Einer ist leider schon verstorben. Die Familie hatte sich da aber schon um zwei Schwiegertöchter und drei Enkel erweitert, und dieser Kreis hält fest zusammen. „Wir feiern alles zusammen mit der Familie, Geburtstage, Weihnachten, den Hochzeitstag. Wir haben wirklich ein gutes Verhältnis“, so Wania.
Der ältere Sohn hat mittlerweile die Brandschutzfirma des Vaters übernommen. Wania senior geht trotzdem noch jeden Tag ins Geschäft – auch wenn Olga ihn lieber öfter zu Hause sehen würde. Doch das tut dem Eheglück keinen Abbruch. Wie aber bleibt man so lange miteinander glücklich? „Wenn man jung ist, gibt es sowieso keine Probleme“, erklärt der erfahrene Ehemann lapidar. „Und später muss man eben versuchen, einander zu verstehen. Man muss Vertrauen zueinander haben.“ Verstehen, vertrauen – und: Spaß haben. „Es ist herrlich, wir haben immer so eine schöne Zeit miteinander“, sagt Wania. Etwa im Urlaub: „Wir haben alle fünf Erdteile gesehen, es ging bis nach Kanada, Australien, China, Kenia. Von diesen schönen Erinnerungen können wir heute noch zehren.“ Außerdem ging es auf dem Motorrad durch ganz Europa. Er am Lenker, sie hinten drauf. Erst letztes Jahr hat er mit diesem Hobby aufgehört. Wie auch mit dem Skifahren, rein aus Vernunftgründen. Denn dankbar sind die beiden darüber, dass es ihnen dem Alter entsprechend immer noch gut geht. Und so wünschen sie sich nur, dass sie noch so lange wie möglich gesund bleiben dürfen. „Das wäre sehr schön.“NINA PRAUN