DAS PORTRÄT

Die stummen Hexen von Sachsenried

von Redaktion

Die Kiachlabettlar ziehen heute durch Sachsenried. © Müh

Wer den Brauch nicht kennt, könnte sich erschrecken, wenn plötzlich vier stumme Hexen vor der Tür stehen. Doch in Sachsenried im Landkreis Weilheim-Schongau weiß man natürlich, was es mit den sogenannten Kiachlabettla auf sich hat. Burschen verkleiden sich als Hexen und ziehen jedes Jahr an Aschermittwoch von Haus zu Haus. Ihre Mission: Kiachla (Auszogene) und Eier erbetteln. Und das ohne zu sprechen. Sie bleiben stumm, halten den Bewohnern nur einen Korb entgegen. Den Brauch gibt es schon lange. Wann genau er entstand, lässt sich heute nicht mehr herausfinden. Vermutlich waren es einst die Knechte der Landwirte, die sich auf diese Weise Kiachla und Eier erbettelten, erzählt man sich. Junge Burschen hielten die Tradition immer aufrecht. Heutzutage ist es die Landjugend unter Vorstand Lukas Hindelang, die sich darum kümmert. „Wer mitgeht, bleibt geheim“, sagt er. Meistens sind es drei bis fünf Burschen. Morgens um 9 Uhr geht es los, im Laufe des Nachmittags haben die Hexen alle Höfe und Häuser abgeklappert. Die meisten der gut 400 Einwohner würden wissen, was es mit dem Brauch auf sich hat, sagt Hindelang. Aber es habe auch schon kuriose Situationen gegeben. In früheren Jahren hätten sie auch mal einen Liter Milch, Orangen und Brot erhalten.

Heuer sehen die Hexen nach vielen Jahren erstmals wieder anders aus. Denn die alten Masken waren zerschlissen. Dank einer Förderung der „Integrierten Ländlichen Entwicklung Auerbergland“ konnten neue Masken, Gewänder und Weidenkörbe angeschafft werden. Am Aschermittwoch-Abend treffen sich alle Burschen der Landjugend im Gemeindezentrum, um die Ausbeute zu verspeisen. Dabei werden uralte Spiele gespielt, die so klingende Namen haben wie „Schinkenbrätschen“, „Enten verkaufen“, „Kälbern“ oder „Kartoffel stupfen“. Die Regeln sind ebenfalls geheim – denn wer zum ersten Mal dabei ist, wird reingelegt. CHRISTIANE MÜHLBAUER

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