Etwas ratlos: Bernhard Mücke. © Schwarzkugler
Der S-Bahn-Ringschluss ist in verschiedene Baustufen unterteilt. © MM
Blick Richtung Osten: Hier soll eine Abstellanlage für Züge entstehen.
Am Bahnhof Schwaigerloh wird derzeit emsig gebaut. Bald ist er fertig. © Günter Herkner (2)
Oberding – Die Bahn baut derzeit den neuen S-Bahnhof Schwaigerloh auf dem Gebiet der Gemeinde Oberding (Kreis Erding). In einigen Monaten soll er fertig sein. Doch einen Zugverkehr wird es auf lange Zeit erst mal nicht geben. „Es wird nicht 2026 geschehen., nicht 2027 und nicht 2028“, sagt ein etwas frustrierter Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU). Und weiter sagt er: „Es könnte 2030 oder danach passieren, aber fragen Sie mich bitte nicht, wann genau.“
Grund für den Geisterbahnhof, der da östlich des Flughafens entsteht, sind Sicherheitsprobleme: Ein etwa 20 Jahre alter Tunnel, der den Bahnhof Schwaigerloh mit dem unterirdischen S-Bahnhof am Flughafen verbindet, entspricht nicht den heute gültigen Standards. Damit können keine S-Bahn-Gleise verlegt werden. Dabei war dieser Tunnel unter dem Terminal 2 einst vom Flughafen extra angelegt worden – in weiser Voraussicht, dass irgendwann einmal der Erdinger Ringschluss, also die Verbindung des Flughafens mit Erding, kommen würde. Doch die Planung dauerte Jahrzehnte, was nicht nur die Schuld der Bahn ist. Politik und langwierige Genehmigungen vereitelten einen schnellen Weiterbau. Jetzt ist der Tunnel veraltet.
Welche Probleme es gibt, hat Bürgermeister Mücke selbst nur „über 17 Ecken“ erfahren. Offenbar sind die beiden Fluchtwege zu eng. Auch beim Durchmesser der Röhre soll es Probleme geben. Eine Bahnsprecherin bestätigt gegenüber unserer Zeitung „Anpassungsbedarf“. Der im Jahr 2002 „vorausschauend hergestellte 500 Meter lange Tunnelabschnitt unter dem Terminal 2“ müsse für „die heutigen verschärften Sicherheitsvorschriften“ zunächst „ertüchtigt“ werden. Sie betont: „Erst wenn der Tunnel entsprechend fertiggestellt ist, kann der Bahnhof angefahren werden.“ Die „Zeitschiene“ werde aktualisiert.
Dabei wartet Oberding sehnlichst auf einen S-Bahn-Anschluss. Direkt neben dem Geisterbahnhof ist ein großes Gewerbegebiet. Zum bestehenden Flughafen-Bahnhof ist es auch nicht weit – circa drei bis vier Kilometer. Der Flughafen hat damals beim Bau des Terminals 2 nicht nur den Tunnel angelegt, der jetzt Probleme macht. Sondern auf eigene Kosten für 115 Millionen Euro auch das anschließende fast zwei Kilometer lange Tunnelstück gebaut, das am Ostende des Airports in einer 300 Meter langen Rampe nach oben führt. 2021 war das fertig. Dieser Tunnel, immerhin, entspricht den neuesten Sicherheitsvorschriften.
Als nächstes Projekt wäre nun die Fertigstellung des Bahnhofs mit einer zweigleisigen Trasse vorgesehen gewesen. In Schwaigerloh wäre auch eine Wende- und Abstellanlage für Züge geplant. 2021, bei der Fertigstellung des Tunnels unterm Flughafen, hieß es, alles könne 2025 fertig sein. Das stellte sich als zu optimistisch heraus. Doch auch wenn die Planungen für die Zug-Abstellanlagen laut Mücke noch nicht abgeschlossen sind, waren sie bis vor Kurzem doch auf einem guten Weg. Dann wären die Züge der S1 und S8 nicht mehr nur bis zum Flughafen gefahren, sondern eben bis Schwaigerloh, den 151. Bahnhof im Münchner S-Bahn-Netz. So der Plan. Bis dann eben durchsickerte, dass es das Tunnelproblem gibt. Und damit keinen S-Bahn-Verkehr.
Erdinger Ringschluss dauert noch
Die Planungen für die Vollendung des Erdinger Ringschlusses gehen derweil weiter. Für das Anschlussstück östlich von Schwaigerloh bis Altenerding inklusive eines zwei Kilometer langen Tunnels läuft die Planfeststellung. Die Kostenschätzung allein für dieses Stück lag bei 390 Millionen Euro, und das ist schon einige Jahre her. Ebenfalls in weiter Ferne ist die neun Kilometer lange Walpertskirchner Spange, über die es eine Verbindung von der Strecke München–Mühldorf zum Flughafen geben könnte. Vermutlich in einigen Monaten ist der neue Bahnhof fertig, „Mitte 2026“, heißt es bei der Bahn. Ein Bahnhof ohne Gleise und Oberleitung und ohne Züge. Und dann? Mücke ist ratlos: „Wir wissen noch nicht, was wir damit anstellen.“DIRK WALTER