Knast zu verkaufen

von Redaktion

Neuburger Gefängnis lohnt sich nicht mehr – Freistaat will‘s loswerden

Seit Sommer ist das Gefängnis ungenutzt.

Die JVA Neuburg befindet sich mitten in der Altstadt. © Stadt Neuburg (2)

Neuburg – Die Zimmertüren haben kleine Fensterklappen zum Öffnen, am Ende der Gänge versperren weiße, raumhohe Gitter den Weg – und draußen auf den Mauern ist noch gut was an Stacheldraht da. Es ist eine ganz besondere Immobilie, die in wenigen Wochen auf den Markt kommt, nämlich das Gefängnis der 30 000-Einwohner-Stadt Neuburg an der Donau. Verkäufer: der Freistaat Bayern.

Mitten in der „altehrwürdigen Stadt“, so sagt es Stadtsprecher Bernhard Mahler, steht die Justizvollzugsanstalt. Ein umfangreicher Gebäudekomplex, der zum Teil bis auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. In einem kleinen Aufsatz der Stadt ist von „großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung“ die Rede. Der Zellenbau wurde 1577 als Hofreitschule errichtet. Im Lauf der Jahre wurde die Anlage immer wieder auf andere Art genutzt, ab 1875 aber wurden darin Gefangene untergebracht. Bis zum vorigen Sommer. Damals hatte der Freistaat entschieden: Das Gefängnis lohnt sich nicht mehr, wir machen zu. Bis zu 73 männliche Häftlinge fanden in den Zellen Platz, es gab 27 Einzelhafträume und noch Gemeinschaftsräume für drei bis sechs Gefangene. Die Verurteilten saßen Strafen zwischen sechs Monaten und drei Jahren ab. Ende des Jahres verließen auch die letzten Mitarbeiter die Justizvollzugsanstalt. Seither steht sie ganz leer.

Als klar war, dass der Freistaat den Knast in der Innenstadt nicht mehr haben will, haben sie in Neuburg lange überlegt. Der Stadtrat bildete eine eigene Arbeitsgruppe, man ließ sich die Justizvollzugsanstalt zeigen. Die Zellen. Die frühere Kapelle mit einem hellen Parkettboden. Die Burganlage, den Garten. Das Turmzimmer, das zuletzt an Privatleute verpachtet war. „Am Ende“, sagt Stadtsprecher Bernhard Mahler, „ist uns keine Verwendung eingefallen für den sehr schwierigen Gebäudekomplex.“ Vielleicht Wohnraum? Klar, die Altstadt sei eine beliebte Wohngegend. Aber so groß wie in München sei der Druck, Wohnraum zu schaffen, in der Kleinstadt nicht. Der Knackpunkt: Die Anstalt ist im Unterhalt extrem teuer, allein eine Grundheizung kostet mehrere tausend Euro im Monat.

Deshalb bereitet die staatliche „Immobilien Freistaat Bayern“ derzeit die Verkaufsanzeige für das Neuburger Gefängnis vor. „In den nächsten Wochen wird das veröffentlicht“, sagt Sprecherin Christine Nick. Sicherheitsrelevante Ausstattung ist bereits entfernt, sonsten bleibt aber alles, wie es ist. Wer soll das kaufen? Christine Nick hat eine Idee: „Ein Hostel für Radler wäre realistisch, das würde von der Größe her gut passen.“ Und Neuburg liegt am Donauradweg, hier kommen viele Radler durch. Grundsätzlich ist man beim Freistaat auch für andere Ideen offen. Einen Verkaufspreis wird es nicht geben, interessierte Käufer müssen ein Gebot abgeben. Aber: „Wir sind nicht verpflichtet, an den Höchstbietenden zu verkaufen“, sagt Nick. Das Konzept der Investoren müsse passen. Auch mit der Stadt spreche man sich ab. Bis zu einem noch unbekannten Stichtag können Gebote eingereicht werden. „Dann werden die Umschläge geöffnet und ausgewertet.“

Nick ist zuversichtlich, dass sich ein Käufer findet. Nach einem Bericht des BR hatten bereits erste Interessenten angeklopft, wenn auch noch nicht offiziell. „Das stimmt uns hoffnungsvoll.“ Und außerdem habe der Freistaat schon mehrere Gefängnisse verkauft. Nicht immer ist das einfach. Das Alte Gefängnis in Freising wurde 1965 geschlossen – erst 2005 gründete sich ein Förderverein und renovierte das Gebäude. 2009 drehte Regisseur Marcus H. Rosenmüller dort Szenen für seinen Räuber-Kneißl-Film. Sonst wird das Alte Gefängnis für Ausstellungen genutzt. Wie es mit der seit 2008 leerstehenden JVA in Landshut weitergeht, steht in den Sternen. Es gab einen Ideenwettbewerb. Doch die Ergebnisse waren nicht umsetzbar.CARINA ZIMNIOK

Artikel 3 von 11