Reform für Freiwilligendienst

von Redaktion

Karin Prien plant Gesetz – Verbände fordern verlässliche Finanzierung

Freiwilliger Einsatz: Ein junger Mann hilft beim Krankentransport. © Gebert/pa

München – Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat noch für dieses Jahr einen Gesetzentwurf zur Stärkung der Freiwilligendienste angekündigt. Dazu will sie mit den Ländern in einen intensiven Dialog treten. „Es geht darum, die Bereitschaft zu wecken, sich für dieses Land und seine Sicherheit zu engagieren“, sagte sie.

Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa begrüßte Priens Vorhaben. In der Vergangenheit habe ein ständiges Hin und Her bei der Finanzierung die Träger und Einsatzstellen verunsichert. „Die sicherheitspolitische Lage setzt unsere Demokratie zunehmend unter Druck“, sagte sie. „Dem können wir nicht allein militärisch begegnen. Freiwilligendienste leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie sind attraktiv auszugestalten.“

Auch das Bayerische Rote Kreuz begrüßt Priens Vorstoß. Angesichts der veränderten geopolitischen Lage und wachsender Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz sei es notwendig, die Frage nach dem Beitrag jedes Einzelnen für unsere Gesellschaft zu stellen, betonte BRK-Präsident Hans-Michael Weisky. Mit dem Bundesfreiwilligendienst und dem Freiwilligen Sozialen Jahr existieren zwei Systeme. Allein für das BRK sind jährlich 1500 Freiwillige im Einsatz in Krankenhäusern, Senioren- und Behinderteneinrichtungen oder im Rettungsdienst. Schon heute gebe es aber mehr Bewerber als finanzierte Plätze, betonte Weisky. „Es ist absurd, dass wir motivierten jungen Menschen absagen müssen, weil die Finanzierung vom Bund nicht ausreichend ist.“ Das BRK fordert deshalb einen Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst. Außerdem müsse die Bekanntheit der Freiwilligendienste ausgebaut werden – zum Beispiel durch mehr Informationen darüber an Schulen. Auch eine Anhebung des sogenannten Taschengelds sei nötig, außerdem müsse es einheitlich sein. Für viele junge Menschen sei es ein Hindernis, dass sie sich während des Freiwilligendienstes den Lebensunterhalt nicht finanzieren können. Auch ein Bonussystem mit Vorteilen für den ÖPNV, die Ausbildung oder die Anrechnung für die Rente würde den Freiwilligendienst aus Sicht des BRK attraktiver machen.

Irritiert ist das BRK über Überlegungen, das Handwerk verstärkt in den Freiwilligendienst einzubeziehen. „Freiwilligendienste zeichnen sich durch ihren sozialen, ökologischen und karitativen Charakter aus“, betont Weisky. „Sie leben von zwischenmenschlicher Begegnung und Solidarität und dem Einsatz für hilfsbedürftige Menschen. Diese besondere Werteorientierung darf nicht verwässert werden.“DPA/KWO

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