Heftige Schneefälle am Dienstag im Schweizer Andermatt. © Flueeler/dpa
Skitourengeher beim Aufstieg zur Aiplspitz im Mangfallgebirge. © Brandl/picture alliance
München – Neuschnee hat in den höheren Lagen der Alpen die Lawinengefahr deutlich steigen lassen. Oberhalb von 2000 Metern herrscht in den Allgäuer Alpen große Gefahr der Stufe vier von fünf, wie der Lawinenwarndienst berichtet. Darunter und insbesondere in den Werdenfelser und Berchtesgadener Alpen gilt vielerorts erhebliche Gefahr der Stufe drei. Die Lawinen-Experten empfehlen Zurückhaltung und defensives Verhalten – auch wenn für die meisten Gebiete unterhalb von 1600 Metern nur die mäßige Gefahrenstufe zwei gilt.
Im Allgäu starb ein Skitourengeher in den Schneemassen. Er war am Montag im Bereich der Nordflanke des Iseler verunglückt. Der 46-Jährige war allein unterwegs und hatte offenbar selbst die Lawine ausgelöst. Er wählte noch den Notruf. Er sei nicht verschüttet gewesen, berichtet die Polizei. Wegen des schlechten Wetters konnte der Hubschrauber zunächst nicht fliegen. Bergwachthelfer stiegen zu Fuß zur Unfallstelle. Die angespannte Lawinensituation erschwerte die Bergung und verzögerte die Rettungsmaßnahmen. Der Mann wurde schließlich in einem steilen Schneefeld gefunden. Er wurde reanimiert, starb jedoch im Krankenhaus.
Nach Lawinenunglücken zählt in aller Regel jede Minute. Schon nach zehn Minuten unter dem Schnee sinkt die Überlebenschance rapide, es droht Ersticken. Das war allerdings im Allgäu wahrscheinlich nicht das Problem, da der Mann nicht unter dem Schnee lag. Die Todesursache ist noch nicht geklärt. Oft erleiden Lawinenopfer durch die Schneemassen schwerste Verletzungen.
Lawinen können in Hängen ab 30 Grad Neigung abgehen. Stürmischer Wind und ergiebige Schneefälle lassen derzeit in der Höhe die gefährlichen Triebschneeansammlungen weiter wachsen. Schneebrettlawinen können leicht von Wintersportlern ausgelöst werden oder sich von selbst lösen. Die Schneeschichten können sich umwandeln – kantige Schneekristalle werden zur gefährlichen Gleitschicht.
Die Polizei mahnte nach dem Unfall, die Lawinenwarnberichte zu beachten, die nötige Ausrüstung wie Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel dabei zu haben und risikoreiches Steilgelände zu meiden. Das LVS-Gerät ermöglicht die Ortung von Verschütteten unter dem Schnee – am schnellsten durch Begleiter, die sofort mit der Suche beginnen können. Experten raten deshalb grundsätzlich dazu, nicht allein auf Tour zu gehen.
Wenn sich Schneemassen lösen und zu Tal donnern, gibt es kaum ein Entrinnen. Laut Experten kommen in den Alpen jährlich rund 100 Menschen in Lawinen um. Erst gestern kamen in den französischen Alpen nahe dem Urlaubsort La Grave sowie in Valloire wieder drei Skifahrer ums Leben.
Der Winter setzt sich gerade fest im Freistaat. Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen ist aktuell wegen Eisbruch-Gefahr geschlossen. Außerhalb Bayerns sind die Schneemassen noch größer. Im italienischen Piemont und in der Schweiz mussten einzelne Bergdörfer wegen starkem Schneefall und Lawinengefahr evakuiert werden. In Tirol mussten elf Kinder und Jugendliche aus Bayern wegen eines Schneesturms von Bergrettern in Sicherheit gebracht werden. Die Betreuer im Alter von 20 und 21 Jahren hatten mit den Acht- bis 15-Jährigen zu einer Hütte wandern wollen, mussten die Tour aber abbrechen.