Wenn es viel geschneit hat, ist eine Räumflotte aus Traktoren am Flughafen München im Einsatz. © Wochinger (3)
Einsatzleiter bei allen Wetterlagen: Georg Eglsoer.
Er liebt seinen Winter-Job am Flughafen: Landwirt Max Hagn aus Pfeffenhausen.
Erding – Georg Eglsoer braust in seinem Einsatzfahrzeug mit 120 Sachen über das Rollfeld von Terminal 1. Vorbei an Flugzeugen der Lufthansa oder United Airlines. „Die Achter im Mittagstief durchräumen!“, kommt eine Anweisung über Funk. Er hat nur wenig Zeit. „Heute ist Großkampftag“, sagt Eglsoer, Einsatzleiter des Winterdiensts am Münchner Flughafen. Es gibt Neuschnee, das Thermometer zeigt Minusgrade, weiterer Schnee ist angekündigt. In den kommenden Stunden dreht sich alles ums Räumen und Enteisen. 200 Helfer sind im Einsatz – die meisten Landwirte und Fuhrunternehmer aus der Region. Ohne sie würde der Flughafen im Schneechaos versinken.
Einer von ihnen ist Max Hagn. Der 30-Jährige aus Pfeffenhausen im Kreis Landshut steuert seinen modernen Traktor über das Rollfeld von Terminal 2: vorn der Pflug, hinten die Spritze mit Enteisungsmittel. Rechts steht eine Lufthansa-Maschine, links eine mobile Passagiertreppe, vor ihm zischen immer wieder Gepäckwagen, Flughafenfahrzeuge und andere Winterdienste vorbei. „Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht mit anderen zusammenstößt“, sagt Hagn. Er arbeitet seit zehn Jahren im Winterdienst am Flughafen – bisher gab es noch nie einen Unfall.
Eigentlich ist Hagn Hopfenbauer und Lohnunternehmer. Für andere Landwirte drischt er Mais oder bringt Gülle aus – am Flughafen sorgt er für einen möglichst reibungslosen Start- und Landebetrieb. Den Winter über ist er am Flughafen angestellt, sein Bruder ist Ersatzfahrer. „Das ist eine tolle Sache, weil wir und die Maschinen im Winter nicht ausgelastet sind“, sagt er. Der Winterdienst schadet den Maschinen nicht, da auf dem Flughafen kein Salz, sondern ein Flächenenteisungsmittel ausgebracht wird.
So wie er arbeiten rund 520 Landwirte und Fuhrunternehmen im Winterdienst des Flughafens. Während die Flughafenkräfte die beiden Start- und Landebahnen räumen, übernehmen die Landwirte und Fuhrunternehmer die Vor- und Rollfelder. „Sie sind ein halbes Jahr beim Flughafen angestellt“, sagt Einsatzleiter Eglsoer. Der Flughafen mietet die Traktoren und Maschinen von ihnen an.
Wenn der Wetterdienst Schneellfall voraussagt, gehen die Räumkräfte in Einsatzbereitschaft, erklärt Eglsoer. Das ist wichtig, schließlich starten und landen jeden Tag bis zu 1000 Flugzeuge in München. Schon kleine Verzögerungen haben große Auswirkungen auf den eng getakteten Flughafenbetrieb. Für diesen Tag war der Wetterbericht nicht gut. Die Schneemassen sind zwar ausgeblieben, doch am Morgen fielen drei Zentimeter Neuschnee. Rund 200 Kräfte und 200 Fahrzeuge sind pro Schicht im Einsatz.
Der Winterdienst wird an diesem Tag rund um die Uhr auf dem Flughafengelände unterwegs sein; bis Betriebsende muss allein die nördliche Start- und Landebahn viermal geräumt werden. Riesige Flächen müssen von Schnee und Eis befreit werden: Allein die zwei Start- und Landebahnen sowie die Rollwege und Vorfelder umfassen 5,6 Millionen Quadratmeter – mehr als 780 Fußballfelder.
Eine Bahn ist während der Räumarbeiten gesperrt, auf der anderen starten und landen Flugzeuge. Oft kommt es aber zu Verspätungen. Nicht nur wegen der Sperrung. Auch die Flugzeuge müssen vor dem Abflug enteist werden. Außerdem vergrößert die Flugsicherung die Abstände zwischen startenden und landenden Flugzeugen. Der Schnee wird nach dem Räumen von Fräsen auf Lastwagen geladen und zu sechs Schneedeponien auf dem Flughafengelände verfrachtet. Pro Saison kommen bis zu 2,2 Millionen Kubikmeter zusammen. Das Schmelzwasser fließt in ein unterirdisches Auffangbecken und dann in eine Kläranlage. Laut Eglsoer haben sich die Schneemengen in den vergangenen 20 Jahren aber stark verringert. „Die Einsätze werden weniger. Dafür haben wir häufiger Großeinsätze wegen Wetterextremen.“
So wie im Dezember 2023. Damals fiel in kurzer Zeit ein halber Meter Neuschnee. „Bei solchen Großeinsätzen ist die Koordination der Einsatzkräfte eine echte Herausforderung. Und die Zeit ist der größte Feind“, sagt Eglsoer. Zwölf-Stunden-Schichten haben sie damals geschoben. Auch Max Hagn war im Dauereinsatz. Sieben Tage lang war er durchgehend am Flughafen, für die Pausen waren Betten im Aufenthaltsraum aufgebaut. In einer Nacht fielen 45 Zentimeter Neuschnee, erinnert er sich. Der Traktor lief 170 Stunden am Stück. Zwölf Stunden fuhr er, dann zwölf Stunden sein Bruder. „Der Winterdienst am Flughafen ist schon eine besondere Arbeit. Gerade in der Nacht, wenn alles so hell beleuchtet ist“, sagt Hagn. Jedes Jahr im Herbst, wenn der Winter bevorsteht, kribbelt es ihn schon in den Fingern. „Es ist schön, wenn es wieder losgeht.“MAX WOCHINGER