Brotzeit-Klassiker auf die Hand: Eine Frau beißt beherzt in eine Leberkas-Semmel. © Reiter/PA
Freilassing/Mühldorf – Zum Start ins neue Jahr gab’s die Leberkas-Semmel bei Billa in Österreich 18 Tage lang zum Preisknüller – für nur einen Euro. Die Aktion „clever Häppchen Schnäppchen“ ist inzwischen genauso lang wieder vorbei, diskutiert wird aber immer noch. Schnapper hin oder her. „Wenn es um ein Handwerksprodukt wie den Leberkäs geht, darf das Preisdumping nicht grenzenlos sein“, kritisierte Günter Thumser, Chef des österreichischen Markenartikelindustrie-Verbands, das Angebot der Supermarkt-Kette als „traurigen Höhepunkt der Wertevernichtung“.
Der Österreicher reagiert sensibler auf solche „Lockangebote“ als der Deutsche. Im Grenzgebiet sieht man die Sache noch enger. Logisch, immerhin wirkt schon die ohnehin niedrigere Mehrwertsteuer im Nachbarland äußerst anziehend. Salzburger kaufen günstiger in Freilassing im Berchtesgadener Land, ein Teil Oberösterreichs in Mühldorf am Inn. Und ausgerechnet die Leberkas-Semmel, Brotzeit-Klassiker im gesamten deutschsprachigen Raum, scheint zusätzlich Kundschaft anzulocken. Die saarländische Kette Globus etwa setzt schon lange auf den 1-Euro-Deal. In der Filiale in Freilassing stehen Junge und Alte, Frauen und Männer, Bayern und Österreicher jeden Tag dafür Schlange.
Die Debatte ist nicht neu. Bayerns Brauer regen sich über den Bierkasten zum „Ramschpreis“ von 10,99 Euro im Supermarkt auf. Heimische Bauern schimpfen, Handelsriesen würden Milch und Butter viel zu billig anbieten. Eben nur, weil sie das durch Preisaufschläge bei anderen Produkten wieder wettmachen könnten. Sie fordern nicht nur mehr Wertschätzung für ihre Arbeit und Produkte, sondern aktuell auch wieder, dass die Bundesregierung regulierend eingreift.
Beim Leberkas-Dumping-Pricing blutet so manchem Metzger das Herz. So auch Werner Braun, Obermeister der Metzgerinnung Dachau-Freising und stellvertretender Landesinnungsmeister des Verbands für bayerisches Fleischerhandwerk. In seiner Metzgerei in Wiedenzhausen im Kreis Dachau kostet die Leberkas-Semmel zwischen 2,80 und 3,50 Euro. „Der Preis richtet sich nach der Dicke der Scheibe, die bei uns abgewogen wird“, erklärt der 60-Jährige. „Jeder Betrieb macht seine eigene Kalkulation, aber wer in unserer Region hochwertiges Rindfleisch und kein Billigprodukt verarbeitet, muss in etwa das berechnen.“
Das Billa-Schnäppchen im Nachbarland sieht der Metzgermeister trotzdem gelassen. „Unsere Branche kämpft überall, in Bayern verlieren wir pro Jahr zwischen 100 und 150 Betriebe“, erklärt er. „Rabattaktionen kurbeln das Geschäft an und locken den ein oder anderen Neukunden in den Laden.“ So war’s zumindest, als Braun selbst mal die Weißwurst für einen Euro angeboten hat. Anlass war die Neueröffnung seines Gasthauses. Zuletzt konnte man sich zu Weihnachten einen Stiefel mit Wurstwaren füllen lassen. „Mit vorübergehenden Aktionen bleibt man im Gespräch – und das tut einem selbst und der ganzen Branche gut.“ CORNELIA SCHRAMM