Mit einem großen Buch macht Marx den Antrag.
O’zapft is: OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU) beim Giesinger Bräu Starkbierfest. © Martin Hangen (2)
Bei den ganz Großen mitzuspielen – davon träumt Brauerei-Chef Steffen Marx. © Kneffel/dpa
München – Die Giesinger Brauerei in München wird heuer 20 Jahre alt – und will jetzt endlich bei den Großen mitspielen. Bräu Steffen Marx (48) hat seit Jahren das Ziel, sein Bier auf dem Oktoberfest zu verkaufen. Das hat bisher nicht geklappt – jetzt erhöht Marx den Druck.
Am gestrigen Donnerstagabend verkündete der Giesinger-Chef beim Anstich seines Starkbierfests und im Beisein von OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU), dass er einen Bürgerentscheid anstrebt.
Kurz nach 19.30 Uhr brachte Steffen Marx dafür ein dickes Buch mit leeren Seiten auf die Bühne. Auf einer Leinwand prangte die Frage: „Bist Du dafür, dass die Landeshauptstadt München ab 2027 auch den Ausschank von Bier der Brauerei Giesingerbräu auf dem Münchner Oktoberfest erlaubt?“ Es habe immer geheißen, er müsse einen Antrag stellen, um sein Bier auf der Wiesn ausschenken zu dürfen. „Und den Antrag haben wir heute dabei!“, sagte Marx. Danach fragte er Baumgärtner, SPD-Stadtrat Lars Mentrup und Grünen-Stadtrat Sebastian Weisenburger, ob sie darin unterzeichnen wollten – alle drei wollten. Wenig später zapfte Baumgärtner dann das erste Fass mit vier Schlägen an.
Clemens Baumgärtner blieb bei der alkoholfreien Mass. „Ich bin mitm Auto da.“ Ob er Giesinger gern auf der Wiesn trinken würde? „Das müssen andere entscheiden.“ Ungewohnt vage. „Nach dem 8. März bin ich dann meinungsstärker“, sagte er grinsend wenige Minuten vorm Anzapfen.
Bislang werden auf der Wiesn nur Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten ausgeschenkt. Voraussetzung für den Ausschank ist unter anderem, dass das Bier mit Wasser aus dem Münchner Stadtgebiet gebraut wird. Marx ist den sechs Münchner Traditionsbrauereien seit Jahren auf den Fersen, er hat etwa einen Tiefbrunnen auf Münchner Stadtgebiet bohren lassen. Und bei seinem Starkbierfest im „Werk 2“ seiner Brauerei in Milbertshofen kann er seit 2025 knapp 1000 Gäste versorgen.
Marx gegenüber unserer Zeitung: „Unser Anwalt hat erst vor ein paar Tagen das Go für diese Aktion gegeben. Wir haben die Fragestellung geprüft, sie ist rechtssicher. Jetzt wollen wir den Schwung vom OB-Wahlkampf mitnehmen.“ Er verhandle seit Jahren hinter den Kulissen über einen Wiesn-Platz. „Die Stadt hat bisher immer gesagt: Stellt einen Antrag“, sagt Marx. „Aber wir wussten gar nicht, wie der genau aussehen soll. Jetzt gehen wir den Weg des Bürgerentscheids – das ist unser Antrag!“
Marx sagt, er benötige etwa 30 000 Stimmen. Er will Unterschriftenlisten in seinen Gasthäusern und Stehausschänken auslegen, auch beim Starkbierfest. Er ist sich sicher, dass er die nötigen Stimmen bekommt. Sollte das klappen, müsste der Stadtrat einen Bürgerentscheid durchführen lassen. Dann wären zehn Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten nötig, also rund 100 000. Und sollte die notwendige Mehrheit zusammenkommen, würde Marx zunächst nicht auf ein eigenes Wiesn-Zelt pochen. „Wir beliefern gerne auch einen Wirt.“
Ob Giesinger die für die Wiesn benötigte Biermenge liefern kann, daran zweifeln einige – auch bei der Stadt. „Wir schenken bereits eigenes Festbier für unser Starkbierfest aus“, sagt Steffen Marx. „Das wird schon heute streng nach den Vorgaben für Oktoberfestbier gebraut.“ Er ist sicher, dass er ein Bierzelt mit 2500 Plätzen versorgen könnte.
Das Oktoberfest im Jahr 2027 soll am 18. September beginnen. Einen Tag später feiert Steffen Marx seinen 50. Geburtstag. Läuft alles nach Plan, könnte er den auf dem Oktoberfest begehen – nicht als Gast. Sondern als einer der ganz Großen auf der Wiesn.THOMAS GAUTIER REGINA MITTERMEIER