„Ist Gleisbauer dein Traumberuf?“

von Redaktion

Nachwuchskräfte gesucht: Wie die Deutsche Bahn Mittelschüler als Azubis gewinnen will

Gleisbauer Ivan steht mit Mittelschülern an einer DB-Instandhaltungsstelle. © Jens Hartmann

München – Die 8a der Mittelschule an der Feldbergstraße in München-Trudering steht am Bahngleis 9 3/4 – irgendein Witzbold bei der Deutschen Bahn hat das Übungsgleis tatsächlich so benannt. Aber die Schüler sind nicht im Harry-Potter-Land, sondern in der DB-Instandhaltungsstelle in München-Pasing. Ein Zug fährt hier nicht. Dafür kann man üben, wie es so ist als Gleisbauer bei der DB InfraGo. Ivan Krizanovic (20), Azubi bei Bahn im 2. Lehrjahr, steht in seiner leuchtend orangefarbigen Arbeitskleidung im Gleis und erklärt erst mal, dass ein Meter Schiene zwischen 50 und 60 Kilo wiegt – je nach Hersteller. Dann packt er sich die Schottergabel. Die ist „euer bester Freund“, sagt er zu den Schülern, jedenfalls wenn man Gleisbauer werden will. Zögerlich nimmt Maximilian (16) das Gerät und stochert in den Schotter.

Es ist Azubi-Tag bei der Bahn. Mit einer Art Speed-Dating will die Bahn den Mittelschülern sechs Berufe schmackhaft machen. Lokführer, Zugverkehrssteuerer und Mechatroniker in der Bahnwerkstatt sind darunter. Und eben auch Gleisbauer. Der Beruf ist eher nichts für zarte Gemüter. „Ihr müsst euch drauf einstellen, dass ihr draußen arbeitet“, sagt Azubi Ivan, der den Beruf am Gleis 9 3/4 vorstellt. Aber, beruhigt er, es gebe ja gepolsterte Jacken, Handschuhe, Thermohosen. Es sei schon „körperlich schwere Arbeit“, fährt er fort, aber es gebe ja auch Maschinen, die helfen. Die Jugendlichen stehen, die Hände tief in den Taschen vergraben, an dem zugigen Bahngleis. „Wie fandest du es am Anfang?“, will einer wissen. Ja, da habe er schon Rückenschmerzen gehabt, sagt Ivan. Bis ihm dann Kollegen Tipps gaben, wie er sich richtig bewegt.

„Wir suchen ganz dringend Azubis“, sagt Tamara Barth, Spezialistin für Ausbildungs- und Nachwuchsmanagement und Rekrutierung bei der DB InfraGO, auf dem Weg zurück zum Bahnhof Pasing. Dort werden die Schüler gleich einsteigen in den Zug Richtung Weilheim, wo sich dann Lokführer-Azubis vorstellen werden. Für den „Eisenbahner im Betriebsdienst“, ein Lehrberuf mit drei Ausbildungsjahren, nimmt die Bahn auch Mittelschüler mit Qualifizierenden Abschluss (Quali). 15 Azubis-Stellen in München, weitere 15 in Kempten und zwölf in Garmisch-Partenkirchen gilt es zu besetzen. Vor allem in ländlichen Gebieten sei das schwierig, heißt es. Auch bei den anderen Berufen herrscht Mangel: Allein bei der DB InfraGo in Bayern werden bis zum Start des Ausbildungsjahres im September 220 Azubis gesucht, davon etwa ein Dutzend Gleisbauer, aber auch 60 Stellen als Zugverkehrssteuerer – die neue Bezeichnung für Fahrdienstleiter.

Der Klassenlehrer der 8a, Carsten Albert, weiß nicht, ob die Schüler am Ende bei der Bahn landen werden. „Der Traumjob der Jungs ist Mechatroniker“, sagt er. Aber an eine Azubi-Stelle bei BMW komme man nur noch mit Beziehungen. Jedenfalls gebe sich die Schule große Mühe, alle unterzubringen. Es gibt extra einen Job-Mentor, Gerold Lemperle, der den Jugendlichen ehrenamtlich bei der Stellensuche und bei Bewerbungsschreiben hilft. Zudem steht Sozialpädagogin Ann-Cathrin Düppe vom Projekt JADE („Jugendliche an die Hand nehmen und begleiten“) bei der Berufswahl für Fragen zur Verfügung.

Am Gleis 9 3/4 zeigen tatsächlich einige Achtklässler Interesse. „Mechatroniker ist mein Traumberuf“, sagt Karl (14). Das gebe es ja auch bei der Bahn. Maximilian will vielleicht Altenpfleger werden. „Aber vielleicht entscheide ich mich um.“ Die Bahn sei gar nicht so schlecht. Auch Schülerin Shanty (14) will zwar definitiv nicht Gleisbauerin werden. Aber Lokführerin könnte sie sich vorstellen. Oder eben doch Friseurin.DIRK WALTER

Artikel 1 von 11