Im Einsatz, sobald es schneit: Winterdienstler Thomas Hafeneder aus Holzkirchen. © tp
Der Truderinger Riesen-Schneemann.
Der Friedensengel glänzt im Schnee. © Schlaf
München – Der Winter ist noch mal mit voller Wucht zurückgekehrt. Ein Überblick:
■ Räumen im Akkord
Winterdienstler Thomas Hafeneder aus Holzkirchen (Landkreis Miesbach) ist seit Donnerstagnachmittag unterwegs. Er steuert ein Großräumfahrzeug, für eine Tour seiner Route ist er bis zu zwei Stunden unterwegs. Bis 22 Uhr hat Hafeneder geräumt, danach wurde auf den Kreisstraßen, für die er zuständig ist, pausiert. Bis 4 Uhr morgens, dann übernahm ein Kollege. Denn bis 6 Uhr morgens muss für den Berufsverkehr jede Straße mindestens einmal geräumt worden sein. Um 12 Uhr mittags stieg Hafeneder wieder in sein Räumfahrzeug. In den anderen bayerischen Landkreisen sind die Winterdienstler genauso fleißig im Einsatz gewesen. In Bad Tölz etwa waren 26 Räumdienste in der Nacht unterwegs. „Bei uns sind 13 Mitarbeiter draußen unterwegs und schaufeln die wichtigen Stellen frei“, sagt Sprecherin Birte Stahl. Für viele Winterdienstler ist der Wintereinbruch im Februar nichts Außergewöhnliches. „Wir freuen uns sogar eher mal über solche Wetterlagen“, sagt Hafeneder. Gestern Nachmittag stand für ihn noch eine Kontrollfahrt an. Vorher konnte er sich noch zwei Stunden schlafen legen.
■ Unfälle und Ausfälle
Auf den winterlichen Straßen haben sich viele Unfälle ereignet – allein im südlichen Oberbayern gab es bis gestern Mittag rund 75 Einsätze. Die meisten Unfälle waren Blechschäden. Auf der A99 bei Aschheim wurde eine ganze Familie schwer verletzt. Der Vater war an einem Parkplatz von der Autobahn abgefahren und wegen der Glätte in einen parkenden Sattelzug gerutscht, das Auto wurde unter den Auflieger geschoben. Der 51-Jährige, seine 47-jährige Frau und die zehnjährige Tochter wurden ins Krankenhaus gebracht. In Österreich ist ein Autofahrer aus Bayern mit einem Räumfahrzeug kollidiert und anschließend 30 Meter in steilem Gelände abgestürzt. Der 52-jährige Münchner war mit seiner 17-jährigen Tochter bei Sölden auf einer schneebedeckten Straße bergab unterwegs – ohne die vorgeschriebenen Schneeketten. Der Mann wurde schwer verletzt, seine Tochter leicht. Auch Bahnfahrer kamen gestern nur langsam voran. Viele Linien verspäteten sich. Auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck fiel ein Baum auf die Gleise und beschädigte eine Oberleitung. Die Züge endeten in Garmisch. Am Flughafen München mussten Reisende ebenfalls Geduld aufbringen. Es kam zu Verspätungen und Ausfällen.
■ Enorme Schneelast
Der Schnee war nass – und deshalb auch schwer. Das hat auf einigen Dächern für enorme Last gesorgt. In Augsburg konnten deswegen aus Sicherheitsgründen zwei Bäder nicht öffnen. In Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau) wurde die Eishalle wegen der Schneelast gesperrt. Beim Vorstand läuten schon bei mehr als 55 Kilo pro Quadratmeter die Alarmglocken, gestern waren es 80 Kilo. Alle Veranstaltungen in der Halle wurden abgesagt.
■ Riesen-Schneemann
Für die einen ist der Schnee lästig – für die anderen ein Riesenspaß. Fünf junge Münchner haben in der Nacht auf Freitag in Trudering einen vier Meter großen Schneemann gebaut. „Die Kugeln sind so groß geworden, dass wir zwei Leitern holen mussten“, berichtet der 25-jährige Jonas Lippert. Nach etwa einer Stunde steckten sie ihrem Riesen-Schneemann die Karotten-Nase ins Gesicht.
■ Jetzt wird‘s Frühling
Auch wenn es sich anders anfühlt: Statistisch gesehen ist dieser Winter eher Mittelmaß. An der Messstelle Trudering sind seit Oktober 38 Zentimeter Neuschnee gemessen worden, berichtet Guido Kugelmann vom Wetterdienst. Vor zwei Jahren waren es 64 Zentimeter, im Winter 2018/19 sogar 94. Und 2004/05 kamen 134 Zentimeter zusammen. „Es geht also noch deutlich mehr.“ Tendenziell werde der Schnee über die Jahre weniger, sagt Kugelmann. „Dieser Winter liegt schneetechnisch auf Platz 17 seit Beginn der Aufzeichnungen 1947.“ Schon am Wochenende wird das meiste wegtauen. Sonntag werden bis zu 12 Grad, Mittwoch sogar bis zu 15 Grad erwartet.VF/QW/MTW/KWO/DPA