Rollator-Aufstand bei der JU

von Redaktion

„Greisräte“: CSU-Nachwuchs provoziert mit Wahlplakat in Franken

Ein Wahlplakat der JU mit der Aufschrift „Greisräte in Aktion“ sorgt im Landkreis Rhön-Grabfeld für Ärger. © Bayer/dpa

Wülfershausen an der Saale – Konkurrenz ist die CSU in Wahlkämpfen gewohnt. Bei der anstehenden Kommunalwahl muss sich die Söder-Partei aber in einem nie dagewesenen Maße mit Mitbewerbern herumschlagen – die aus den eigenen Reihen kommen: Rund vier Millionen der 10,05 Millionen Wahlberechtigten finden auf ihren Wahlzetteln für den 8. März neben den CSU-Bewerbern auch Kandidaten von der Jungen Union (JU). Und das sorgt mancherorts für Ärger.

Dass das sportliche Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ zwischen CSU und JU nicht überall gilt, zeigt sich wohl nirgendwo so plakativ wie derzeit in Wülfershausen an der Saale. Nachdem die örtliche JU hier mit ihrem Wahlplakat mit dem Slogan „Greisräte in Aktion“ und der kühnen Forderung „Der Kreistag muss jünger werden“ unterwegs ist, hängt im Landkreis Rhön-Grabfeld jetzt der Unions-Haussegen gewaltig schief. Denn auf dem Plakat lachen schließlich fünf Seniorinnen und Senioren mit ihren Rollatoren fröhlich in die Kamera.

„Das ist Provokation ohne Inhalt, und das ist das, was mich aufregt“, sagt der CSU-Bürgermeister von Wülfershausen, Wolfgang Seifert. Statt auf Inhalte setze die JU auf Spaltung. Ältere Menschen mit Gehbehinderungen würden ausgegrenzt. „Ich kenne keine einzige politische Aussage der Jungen Union in Rhön-Grabfeld, für was die stehen.“ Die JU sei in der Region in den vergangenen 50 Jahren nicht aufgefallen. Jetzt hätten sie einen neuen Vorsitzenden, „und nun fängt der an zu provozieren, ohne Inhalt“, poltert Seifert.

„Ich kann nachvollziehen, dass das Plakat unterschiedlich wahrgenommen wird. Es ist bewusst zugespitzt und arbeitet mit Überzeichnung“, reagiert besagter neuer JU-Chef in Rhön-Grabfeld, Kevin Schleicher. „Uns ist jedoch wichtig klarzustellen, dass wir die Lebensleistung älterer Generationen in keiner Weise infrage stellen. Das Plakat richtet sich nicht gegen Menschen, sondern gegen strukturelle Fragen der Repräsentation.“

Das Bild auf dem Plakat arbeite mit Überzeichnung und Humor als Stilmittel, die JU habe viele positive Rückmeldungen bekommen, auch von Älteren. Definitiv ist es der JU in Rhön-Grabfeld gelungen, mit dem Plakat Aufmerksamkeit zu erzeugen. JU-Landeschef Manuel Knoll betont auf Nachfrage, dass lokale Strategien wichtiger seien als Vorgaben aus München: „Da gibt es kein Patentrezept.“A. RESENHOEFT

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