Weiße Massen: Die Feuerwehr befreit die Dächer vom Schnee.
Großeinsatz nach Lawinenabgang: Mehrere Rettungskräfte suchen am Wochenende in St. Anton am Arlberg in Tirol nach verschütteten Menschen. © Dominik Bartl (2)
Lech/München – Mit dem Schnee kommt das Chaos: In Vorarlberg versperrt eine Lawine den Zugang zu einem beliebten Wintersportgebiet. Die Orte Lech und Zürs sind ab Samstag 17 Uhr nicht mehr erreichbar, die Zufahrtsstraße ist geschlossen. Autos bleiben in den weißen Massen stecken, auf Dächern liegen rund 1,50 Meter Schnee, Fußgänger bewegen sich mit Skiern durch die Dörfer. Touristen, die es nicht mehr rechtzeitig in die Skiorte schaffen, müssen sich eine andere Unterkunft suchen. Erst am Sonntag um neun Uhr gibt die Lawinenkommission die Straße nach Lawinensprengungen wieder frei. Die gute Nachricht: Verschüttet wurde hier keiner.
Die Alpenregionen haben derzeit mit den Folgen heftiger Schneefälle zu kämpfen. Das Risiko für Wintersport im freien Skiraum sowie die Lawinengefahr bleiben hoch. Die Zahl der Todesopfer stieg.
In Österreich gab es erneut tödliche Lawinenabgänge. Zwei Skifahrer sind am Samstag durch Lawinen getötet worden. Ein Slowake (21) sei abseits der Piste unterwegs gewesen, als ihn ein Schneebrett begrub, teilte die Polizei in der Steiermark mit. Der zweite Todesfall trug sich ebenfalls abseits der Piste zu. In Tirol ist ein Österreicher (41) von einer Lawine verschüttet worden. Allein am Freitag kamen fünf Menschen ums Leben. In St. Anton am Arlberg starben ein US-Bürger, ein Pole und ein Österreicher (21) durch ein gewaltiges Schneebrett. Im Tiroler Skigebiet Nauders wurde laut Polizei ein Skifahrer (42) aus Thüringen abseits der Piste von einer Lawine erfasst und getötet. Auch ein 71-jähriger Niederländer, der kein Lawinensuchgerät trug, starb. Allein am Freitag zählten die Behörden mehr als 30 Lawinen-Einsätze. In Tirol sorgte der Neuschnee für Chaos auf den Straßen. Im Lechtal wurde ein Bus von einer Lawine erfasst. Verletzte gab es laut Polizei aber nicht. In allen Tiroler Landesteilen wurde am Samstag der Handyalarm AT-Alert ausgelöst.
In der Schweiz kamen ebenfalls zwei Menschen bei Lawinenabgängen ums Leben. Wie die Polizei mitteilte, wurde am Sonntag im Kanton Graubünden die Leiche eines jungen Italieners unter Schneemassen gefunden. Im Kanton Wallis kam am Sonntag ein 22-jähriger Skifahrer mit schweizer und niederländischer Staatsbürgerschaft ums Leben, der in Verbier von einer Lawine mitgerissen wurde.
Auch in Bayern ging es rund: „Das ist das ereignisreichste Wochenende des bisherigen Winters“, sagt Christoph Hummel, stellvertretender Leiter der Lawinenwarnzentrale Bayern. Die vielen Ehrenamtlichen der Lawinenkommissionen vom Allgäu bis zum Königssee waren im Dauereinsatz. Rund 15 Sperrungen kleinerer Straßen, Wanderwege oder Skipisten seien nötig gewesen. Sowie mehrere Lawinensprengungen, etwa an der Zugspitze, am Wendelstein oder am Brauneck. In den bayerischen Alpen hat es laut Hummel in dieser Saison, trotz einiger Lawinen mit Personenbeteiligung, keine Todesopfer oder Schwerverletzten gegeben. „Das ist sicher das Ergebnis defensiven Risikomanagements beim Großteil der Wintersportler.“ Aber: „Manche Skitourengeher sind auch so riskant unterwegs, dass wir nur den Kopf schütteln.“
In den nächsten Tagen bleibe die Lage in Bayern angespannt, warnt Hummel. Brisant sei es am Allgäuer Hauptkamm sowie in den Werdenfelser Alpen. Oberhalb von 1600 Metern ist die Lawinengefahr dort laut Lawinenlagebericht vom Sonntag groß (Stufe 4), unterhalb erheblich. „Das Hauptproblem der Hochlagen ist der viele Neuschnee, in tieferen Lagen ist es Nassschnee.“ Lawinen könnten sich von selbst lösen. Aus steilem Gelände löse sich der Neuschnee in Form nasser Lockerschneelawinen, die durch Regen ausgelöst werden, sagt Hummel. Auch die Gefahr von Gleitschneelawinen auf glattem Untergrund steige mit der Durchnässung der Schneedecke. Sein Tipp an Wintersportler: „Im freien Skiraum stets die vollständige Notfallausrüstung mit sich führen und bei derart großer Lawinengefahr Skitouren auf gesicherten Pisten nutzen!“MARLENE KADACH