Gwen-Arwen Böse aus Hohenpeißenberg
Christoph Böck aus Pfaffenhofen/Glonn
Leo Bernard aus Erlangen ist einer der 700 000 jungen Erstwähler in Bayern. © Privat (3)
München – Briefwahl ist für Christoph Böck keine Option – zumindest dieses Mal nicht. Denn es ist seine erste Kommunalwahl. Und er möchte sein Kreuz am 8. März persönlich abgeben. Im Wahllokal. Hinter welchem Namen er es machen wird, hat er schon so gut wie entschieden, verrät der 19-Jährige aus Pfaffenhofen an der Glonn im Kreis Dachau. Er liest jeden Morgen die Zeitung und hat sich so über alle Kandidaten in seiner Region informiert. Aber natürlich verfolgt er auch, wie sich die Parteien in den Sozialen Medien präsentieren. Bei der Bundestagswahl im letzten Jahr – seiner allerersten Wahl – hat er auch die Nachrichten im Fernsehen genutzt, um seine Wahlentscheidung zu treffen.
Böck ist einer von rund 700 000 jungen Menschen, die am 8. März erstmals bei einer Kommunalwahl abstimmen werden. Insgesamt sind rund 10,05 Millionen Menschen in Bayern stimmberechtigt. Christoph Böck ist mit der Arbeit seines Gemeinderats zufrieden. Er habe sich zum Beispiel für einen neuen Schützenstand starkgemacht und dafür, dass es beim Wohn- und Mietraum im Ort keine Leerstände gibt. „Ich finde das Vereinsleben sehr wichtig“, sagt Böck, der selbst bei Feuerwehr, Schützen und im Burschenverein aktiv ist. Er würde sich wünschen, dass das Ehrenamt noch mehr honoriert wird. Und dass die Politik den Mittelstand und das Handwerk mehr im Blick hat.
Böck ist gelernter Elektriker. Er ärgert sich über die wiederholten Richtungswechsel in der Energiepolitik und die damit verbundenen Auflagen für Förderungen. „Oft muss man sich durch einen echten Bürokratie-Dschungel kämpfen“, kritisiert er. Da müsste natürlich eher der Bundestag, als der Gemeinderat ran, das ist ihm klar. Grundsätzlich würde er sich von den gewählten Politikern etwas mehr Optimismus wünschen.
Leo Bernard hat sich noch nicht entschieden, wer bei der Kommunalwahl seine Stimme bekommt. Der 19-Jährige aus Erlangen informiert sich vor allem über die Sozialen Medien. „Ich habe mir einige Beiträge von Kandidaten auf Instagram angeschaut.“ Wichtig sind ihm in seinem Ort die Sanierung und Digitalisierung seines ehemaligen Gymnasiums. Aber auch die Mobilität sei ein wichtiges Thema, Zugverbindungen müssten ausgebaut werden. Außerdem wünscht sich der 19-Jährige mehr Unterstützung für die Sportvereine und mehr Freizeitangebote. In seinem Freundeskreis werde häufig über Politik geredet. Aber eher über Bundespolitik und internationale Themen.
Gwen-Arwen Böse aus Hohenpeißenberg im Kreis Weilheim-Schongau bereitet sich ebenfalls seit einigen Wochen auf ihre erste Kommunalwahl vor. Für sie ist die Wahlentscheidung leicht. „Ich kenne alle Kandidaten für den Gemeinderat – und eine von ihnen ist meine Mutter.“ Die 22-Jährige informiert sich vor allem über die Zeitung über die Politik in ihrem Heimatort. Durch den Wahlkampf ihrer Mutter war sie aber auch auf einigen Veranstaltungen. „Und ich habe mir die Insta-Seiten aller Parteien und Kandidaten angeschaut.“
Böse ist es wichtig, dass der Gemeinderat bunt wird. „Politik braucht auch junge Leute und auch viele Frauen“, findet sie. Die 22-Jährige studiert Biologie. „Deshalb sind Naturschutz und erneuerbare Energien für mich wichtige Themen.“ Aber auch die Probleme auf dem Wohnungsmarkt treiben sie als junge Studentin um. „Und weil ich auf dem Dorf aufgewachsen bin, weiß ich, wie wichtig ein guter ÖPNV und ein bezahlbares Deutschlandticket für junge Leute sind.“
Gwen-Arwen Böse hat mit ihren Freunden über die Kommunalwahl geredet. Nicht darüber, wer wen wählen wird. „Darüber, wie wichtig es ist, eine Stimme abzugeben.“ Sie könnte sich vorstellen, irgendwann auch für ein politisches Amt zu kandidieren, sagt sie. Aber dann auf kommunaler Ebene, für ihren Ort. Und erst nach dem Studium, betont sie. Vielleicht wird sie dann sogar von der Erfahrung ihrer Mutter profitieren können. KATRIN WOITSCH ROBERT HOFMANN