Warnt vor der Billig-Mentalität: Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land. © Molkerei Berchtesgadener Land
Piding – „Ich bin meinen Preis wert!“: An den Kühlregalen in Supermärkten prangen neuerdings grüne Schilder an den Milchprodukten der Molkerei Berchtesgadener Land. Die Produkte der Genossenschafts-Molkerei aus Piding (Kreis Berchtesgadener Land) sind teurer als die Billiglinien des Einzelhandels und der Discounter Aldi und Lidl. Selbst als der Einzelhandel im Dezember den Butterpreis für seine Eigenmarke als Lockangebot auf 99 Cent drückte, hielt Molkerei-Geschäftsführer Bernhard Pointner (49) am angestammten Preis von 2,99 Euro fest. Erst vor Kurzem sank auch der Butterpreis der konventionellen Produktlinie von Berchtesgaden auf 2,59 Euro. Der Grund: Weltweit ist zu viel Milch auf dem Markt.
Tiefer soll der Preis für die Produkte aus dem Voralpenland nicht sinken. Daher setzt die Molkerei nun auf eine Informations-Strategie. Stammkunden sollen darin bestärkt werden, dass ihre Entscheidung für die bäuerlichen Milchprodukte die regionale Landwirtschaft unterstützt, der Kulturlandschaft in der Heimat hilft und die Versorgungssicherheit der Region fördert, wie Pointner bei einem Besuch in der Molkerei erläutert.
Wenn der Preisunterschied über Wochen so groß ist, dann muss auch die Genossenschafts-Molkerei reagieren. Trotzdem gilt weiter die Strategie: „Wir ziehen die Preissprünge nicht voll durch.“ Das Geheimnis des Geschäftsmodells ist, dass die Genossenschaft eben nicht auf Extreme setzt. Als vor zwei Jahren der Milchpreis in die Höhe geschossen war und der Mitbewerber Weihenstephan 250 Gramm Butter für 3,79 Euro verkaufte, blieb die Berchtesgadener Butter trotzdem bei 2,99 Euro. Die Folge ist: Für die Bauern bleibt das Milchgeld relativ stabil, „sie haben dadurch mehr Planungssicherheit“, sagt der ausgebildete Banker Pointner. „Wir haben ganz treue Kunden, die merken, dass wir selbst in Krisen die Preise nicht voll ausreizen.“ Der Geschäftsführer glaubt fest an die Strategie. „Die Kunden gehen da mit und wollen bewusst diese Art der Landwirtschaft erhalten.“ Hier gebe es einen vernünftigen Zusammenhalt in der Bevölkerung, zwischen den Landwirten und auch mit der Genossenschafts-Molkerei. Die Kunden wüssten, dass die Gewinne der Molkerei wieder an die Bauern gehen. „Da steckt kein großer Konzern oder eine Inhaberfamilie dahinter.“
Die „Genossen“ haben kleinbäuerliche Betriebe mit durchschnittlich 30 Milchkühen. Sie haben ihren Betrieb in der Regel auf verschiedene Standbeine aufgestellt und leben eine Tradition, die die über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft mit Wiesen und Almwirtschaft erhält. Wenn sie aufgeben, ändere sich das Gesicht der Landschaft. „Der Ehrgeiz unserer Molkerei war immer: Wir müssen schauen, dass wir diese Struktur erhalten“, sagt Pointner.
Für die 1500 Milchbauern zwischen Watzmann und Zugspitze ist das Milchgeld in der jüngsten Krise längst nicht so abgestürzt, wie bei Milchbauern im Norden der Republik. Während dort Bauern teilweise nur noch 25 Cent für einen Liter Milch bekommen, gibt es in Piding noch über 48 Cent. Zweimal wurde der Milchpreis seit Dezember um jeweils drei Cent gesenkt.
Pointner hat aber auch Verbraucher im Blick, die nur nach Billigprodukten greifen. Er versteht, dass es Kunden gibt, die beim Einkauf auf jeden Cent achten müssen. Aber den anderen Verbrauchern rechnet er vor: Durchschnittlich trinkt der Mensch im Jahr 46 Liter Milch und verbraucht 5,3 Kilo Butter. „Wenn du immer das Allerbilligste kaufst, kannst du vielleicht 60 Euro im Jahr sparen im Vergleich zu unseren Produkten.“ Das seien knapp 1,20 Euro in der Woche.
Derzeit kostet der Liter Milch (3,5 % Fett) von Berchtesgadener Land etwa 1,49 Euro. Für 89 Cent könne man keine Milch im Berggebiet erfassen. Der Geschäftsführer der Molkerei rechnet damit, dass der Milchpreis insgesamt noch bis zum Sommer weiter sinken wird. Mit neuen Produkten, wie einem Skyr, Kefir mit Himbeere oder körnigem Frischkäse, will er neue Kunden gewinnen. Und mit Beständigkeit.CLAUDIA MÖLLERS