Die etwas anderen Kandidaten

von Redaktion

Geschwister, Ex-Pfarrer, Olympionikin – Sie treten zur Kommunalwahl an

Die Geschwister Martin und Pauline Lechner aus Straußdorf kandidieren beide für den Stadtrat – die Studentin für die CSU, der Schüler für die SPD. © Stefan Rossmann

München – Circa 39.500 Mandate sind bei der Kommunalwahl zu vergeben. Manche der Kandidatinnen und Kandidaten fallen auf, haben eine besondere Geschichte. Wir stellen einige von ihnen vor.

Bruder und Schwester: Pauline Lechner und ihr Bruder Martin aus Straußdorf, einem Ortsteil von Grafing (Kreis Ebersberg), haben Politik im Blut: Beide kandidieren für den Stadtrat – allerdings für verschiedene Parteien. Studentin Pauline (22) geht für die CSU ins Rennen, ihr Bruder Martin, derzeit noch Abiturient, hat sich für die SPD aufstellen lassen. Der große Familienkrieg ist deswegen nicht ausgebrochen – „ich glaube, wir sind oft ähnlicher Meinung“, sagt Martin.

Die Senioren-Kandidaten: Das könnte Rekord sein: Gudrun Metius, Jahrgang 1932, ist Kreistags-Kandidatin für die FDP in Garmisch-Partenkirchen. Die 93-Jährige ist langjähriges Mitglied bei den Liberalen – 2022 wurde sie für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Ebenfalls im politischen Unruhestand: Professor Bruno Rimmelspacher, der für die SPD in Ismaning (Kreis München) antritt. Er ist 87 Jahre alt und seit acht Amtsperioden, also seit 1978, im Gemeinderat. Der ehemalige Jura-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität lehrt als sogenannter „entpflichteter Professor“ auch noch an der Uni.

Die Kriegsreporterin: Ronja von Wurmb-Seibel war Autorin, Filmemacherin sowie Spiegel-Bestsellerautorin, ihr Buch „Wie wir die Welt sehen“ stieß eine Debatte über konstruktiven Journalismus an. Als damals 27-jährige Reporterin in Afghanistan schrieb sie das Buch „Ausgerechnet Kabul“, in dem sie das Land in ungewöhnlichen Porträts vorstellte und eine etwas andere Bilanz des Bundeswehr-Einsatzes am Hindukusch zog. Jetzt kandidiert die heute 40-Jährige unter dem wohlig-gefühligen Slogan „Deine neue Landrätin“ als Kreischefin im Landkreis Fürstenfeldbruck – und will den langjährigen Amtsinhaber und Präsidenten des Bayerischen Landkreistags, Thomas Karmasin (CSU), zumindest in die Stichwahl zwingen.

Die Parteichefin: Noch eine Ronja kandidiert – Ronja Endres, seit 2021 Chefin der SPD in Bayern, will für ihre Partei in den Stadtrat von Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau). In der ehemaligen Bergarbeiterstadt ist sie einst bei ihrer Großmutter aufgewachsen. Die SPD hat in Penzberg eine lange Tradition, ist 125 Jahre alt. Derzeit ist aber ein CSU-Mitglied Bürgermeister.

Die Olympionikin: Petra Horneber dürfte der ein oder andere Sportbegeisterte noch in guter Erinnerung haben. Die Sportschützin gewann bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta die Silbermedaille im Luftgewehr. Jetzt will das CSU-Mitglied in Kranzberg (Kreis Freising) Bürgermeisterin werden. Sie hat schon etwas Übung – die letzten sechs Jahre war sie Gemeinderätin. Die Chancen der 60-Jährigen stehen nun sehr gut: Sie ist die einzige Kandidatin.

Die kirchlichen Kandidaten: Pater Johannes Bauer ist Cellerar, also Wirtschaftsverwalter, des Klosters Ettal (Kreis Garmisch-Partenkirchen) – aber nicht nur: Er sitzt auch im Gemeinderat, kümmert sich um den Tourismus, der ja nicht zuletzt wegen des Klosters boomt. Zur Wahl tritt er wieder an – nicht etwa für die CSU, sondern für die Freie Wählergemeinschaft Ettal. Es gibt in der Gemeinde nur diese eine Liste. In Ismaning (Kreis München) kandidiert Werner Blechschmidt erneut für die SPD, er war früher evangelischer Pfarrer in der Gemeinde.

Der Veteran: Manfred Fleischer war von 1990 bis 1997 Fraktionschef der Grünen im Bayerischen Landtag und einer der Widersacher des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Nach einem Finanzskandal wechselte er später zur CSU – just in Stoibers Heimatstadt Wolfratshausen, wo er 2002 sogar als Bürgermeister-Kandidat antrat. Er verlor aber. Jetzt will es der 71-Jährige noch mal wissen: Als Kopf der „Wolfratshauser Liste“ versucht er erneut sein Glück als Bürgermeisterkandidat. Seine letzte Aktion: Am Bahnhof stellte seine Gruppierung ein Dixi-Klo auf, weil’s dort seit Langem kein WC mehr gibt. „Es ist eine Soforthilfe“, sagte Fleischer.MM/DW/ALI

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