„Dass“ und „das“ – für Dialektsprecher kein Problem

von Redaktion

München – Ist Bairisch sprechen im Alltag ein Nachteil in der Schule? Eine Untersuchung kommt zu einem anderen Ergebnis. Dialekt erweist sich nicht als Hindernis, sondern fördert möglicherweise die Rechtschreibsicherheit.

Für seine Zulassungsarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchte der Student für das Lehramt am Gymnasium, Peter Walleitner (25) aus Hausham (Kreis Miesbach), ob die Dialektkompetenz Bairisch sprechender Fünftklässler mit der korrekten Schreibung von das und dass zusammenhängt. Ergebnis: „Höhere Dialektkompetenz geht in dieser Stichprobe tendenziell mit einer geringeren Fehlerquote einher“, erklärte Walleitner. Das sei „ein konsistenter Hinweis darauf, dass Dialekt im Deutschunterricht auch eine Ressource sein kann“. Die Unterscheidung von das und dass gilt als besonders fehleranfällig. Beide Formen klingen gleich, erfüllen jedoch unterschiedliche grammatische Funktionen. Artikel und Pronomen werden mit einfachem s geschrieben, die Subjunktion mit Doppel-s, sagt Walleitner.

Insgesamt wurden 86 Aufsätze eines Gymnasiums im Landkreis München ausgewertet. Von 329 Vorkommen waren 68,7 Prozent korrekt, 31,3 Prozent fehlerhaft. Besonders häufig wurde das anstelle von dass geschrieben. Ergänzend schätzten 85 Schülerinnen und Schüler ihre Dialektkompetenz selbst ein. Gefragt wurde nach aktivem Sprechen, passivem Verstehen und dem Sprachgebrauch im Elternhaus. Das Ergebnis zeigt eine klare Tendenz: Je höher die Dialektkompetenz, desto geringer die Fehlerquote. Besonders deutlich ist der Unterschied im familiären Umfeld. Bei Kindern ohne dialektsprechendes Elternhaus lag die Fehlerrate bei 39,2 Prozent, bei dialektgeprägtem Elternhaus bei 23,7 Prozent. Walleitner sagt einschränkend, statistisch wirklich aussagekräftig sei sein Befund nicht. Dafür sei die Stichprobe zu gering. Doch einen gewissen Trend bilde seine Erhebung schon ab.

Außerdem zeigte sie, dass Bairisch im Alltag vieler Jugendlicher im Münchner Speckgürtel nur wenig präsent ist. Nur 2,3 Prozent der befragten Schüler sprechen im Alltag fast immer Dialekt. 85 Prozent sprechen mit Lehrern ausschließlich Hochdeutsch.MM

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