München – 626.480 Menschen in Bayern sind nach dem aktuellen Report der Barmer Krankenkasse auf Pflege angewiesen. Die Zahl ist seit 2017 um 62 Prozent gestiegen – und sie wird sich in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Pflege enorm. Der Eigenanteil für einen Heimplatz lag vor sechs Jahren noch bei 1766 Euro pro Monat, inzwischen sind es 3286 Euro. Ein Plus von 86 Prozent. Am stärksten gestiegen ist der Anteil, der über die Leistungen der Pflegekasse hinausgeht: von 733 auf 1950 Euro. Das liege unter anderem an der besseren Bezahlung der Pflegekräfte seit 2022, erklärt Alfred Kindshofer, der Landesgeschäftsführer der Barmer in Bayern.
Auch die Kosten für die Pflegeversicherung steigen rasant. Das liege nicht nur an einer alternden Gesellschaft und einem höheren Aufkommen von Krankheiten. Hauptgrund sei die Pflegereform aus dem Jahr 2017, erklärte er. Damals sind die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt worden, die Leistungen wurden auch auf Einschränkungen ausgeweitet, die nicht rein körperich sind. davon profitierten zum Beispiel Demenzkranke. Die Folge: Der Kreis der Anspruchsberechtigten wurde deutlich größer – und er wächst weiter. 2017 hatten noch 20.700 Menschen den niedrigsten Pflegegrad 1. 2014 waren es bereits 117.500. „Es war klar, dass sich dadurch die Zahl der Pflegebedürftigen erhöhen wird“, sagte Kindshofer. Mit dem Ausmaß sei aber nicht gerechnet worden. Deshalb fordert die Barmer nun Gegenmaßnahmen. „Die Pflegeversicherung muss reformiert und finanziell stabilisiert werden“, betonte der Barmer-Chef. Beitragszahler dürften nicht noch mehr belastet werden. Er forderte, die Kosten für die Pflegeversicherung von den Kosten für die Pflegeausbildung zu befreien. Das müsse über Steuern finanziert werden.
Da Pflegebedürftige bei langsam voranschreitenden Erkrankungen inzwischen früher Leistungen erhalten können, würden sie länger im Pflegesystem bleiben, erklärte Kindshofer. Im Schnitt sechs Jahre lang. Daher müsse der Beginn der Pflegebedürftigkeit durch Prävention hinausgezögert werden. Dafür sei allerdings eine höhere Gesundheitskompetenz der Menschen nötig. Und ein Primärversorgungssystem, das Patientenströme besser steuert. Beides soll dazu führen, dass Arztpraxen entlastet werden und Pflegepatienten nicht aus Mangel an medizinischer Versorgung in einen höheren Pflegegrad rutschen.KWO