Hier ist die Lage noch gut: Schulunterricht mit Zweitklässlern an einer bayerischen Grundschule. © Frank Hoermann/SVEN SIMON
München – Das von Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) verfügte Stellenmoratorium verschärft den Lehrermangel an Bayerns Schulen. Kultusministerin Anna Stolz (FW) trage den angesichts der schwierigen Haushaltslage verfügten Stellenstopp loyal mit, wie im Ministerium betont wird. Aber sie wolle doch „transparent“ darlegen, dass das an einzelnen Schularten – nicht an allen – zu Problemen führe. Vor allem an Mittel-, Förder- und Berufsschulen sowie an den Gymnasien verschärft sich die Personalsituation durch das für das Haushaltsjahr 2026 verfügte Moratorium. Entspannung gibt es hingegen an den Grundschulen, wenige Probleme auch an den Realschulen. Das geht aus dem neuen „Gesamtkonzept Unterrichtsversorgung“ hervor, das am Donnerstag auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht wurde.
Trotz steigender Schülerzahlen keine zusätzlichen Stellen zu schaffen, sei ein markanter Bruch mit der bisherigen Personalpolitik – darüber gibt man sich im Kultusministerium keinen Illusionen hin. Das Stellenmoratorium habe „die ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen weiter verschärft“, schreibt Stolz im Vorwort zum Konzept. Trotzdem wolle man die Lage nicht dramatisieren, aber auch nicht schönreden.
„Deckungslücken“ – diesen Begriff liest man im „Gesamtkonzept“ öfter. Sie sind für die einzelnen Schularten konkret aufgeführt: An den Mittelschulen fehlten in diesem Jahr rein rechnerisch 210 Lehrer, an den Förderschulen 80 und an den Gymnasien, die durch die Einführung des G9 nun einen Jahrgang mehr haben, gleich 740. Im Vorjahr waren es allerdings 1090, hier gibt es also eine leichte Entspannung.
Je nach Schulart wird nun unterschiedlich reagiert. So setzt Ministerin Stolz bei den Gymnasien darauf, dass mehr Lehrer für die freiwillige Aufstockung der Teilzeit gewonnen werden können. Diese Maßnahme hatte schon 2025 einige Erfolge gezeigt: Teilzeitkräfte stockten im Schnitt um ein bis zwei Stunden auf, insgesamt 260 Stellen kamen so rechnerisch zusammen. Zudem hat die Ministerin eine pauschale Budgetabsenkung um zwei Prozent verfügt. Diese Zwangsmaßnahme trifft auch die Realschulen.
An den Mittelschulen gebe es weiterhin einen hohen Bedarf an neuen Lehrern. Hier wird sich die „Deckungslücke“ in den nächsten Jahren sogar verschärfen: 2027 fehlen wohl 470 Stellen, 2028 immer noch 460, wenn nicht gegengesteuert werde. Denn die Schülerzahlen nehmen auf Fürackers Machtwort keine Rücksicht – sie steigen auch in den kommenden Jahren. Hier setzt das Ministerium weiterhin auf das Dienstrecht. Beispielsweise bleibt es dabei, dass kein Lehrer vor Vollendung des 65. Lebensjahrs den Ruhestand beantragen kann. Teilzeit wird nur eingeschränkt bewilligt. Auch „bedarfssenkende Maßnahmen“ sind für Stolz unausweichlich. Hinter dieser Formel verbergen sich so unschöne Dinge wie die Vergrößerung von Klassenstärken sowie die Reduzierung von Wahlunterricht und AG‘s. Das sei ärgerlich, aber wohl nicht zu vermeiden, heißt es aus dem Haus von Stolz.
Ganz anders die Lage bei den Grundschulen. Hier sind künftig mehr Bewerber als benötigt zu erwarten. Angehenden Grundschul-Lehrkräften, die ein eher durchschnittliches Examen erwarten, rät das Ministerium schon jetzt, die „Fühler“ in Richtung Mittel- oder Förderschule auszustrecken.
Die Schulen stehen vor unruhigen Zeiten, zumal im Juni die Wahlen zum Hauptpersonalrat anstehen und die Lehrerverbände die Kürzungspläne im „Wahlkampf“ sicher thematisieren werden. Einen Vorgeschmack gab es gestern. Die Lehrer-Gewerkschaft GEW sprach vom „Diktat der Sparpolitik“ auf Kosten der Lehrer. „Wir haben das Ende der Belastbarkeit erreicht.“ Noch ein Problem sehen Experten am Horizont: den möglichen Bruch des Koalitionsvertrags. Wenn das Stellenmoratorium wie erwartet auch 2027 fortgesetzt werde, sei ein Versprechen im Vertrag von CSU und Freien Wählern nicht mehr zu halten – nämlich das, 9000 neue Stellen im Schulbereich bis 20288 zu schaffen, davon 6000 für Lehrkräfte.DIRK WALTER