Sie entschuldigten sich für die Panne: Thomas Hoff Anderson (FMG, links) und Heiko Reitz (Lufthansa). © Wunderlich/dpa
Der Flughafen hat eine eigene Feuerwehr. Doch in der Chaos-Nacht wurden die Einsatzkräfte nicht alarmiert. © Balk/dpa
München – In der Schneenacht vor einer Woche mussten 600 Passagiere eine ganze Nacht lang in Flugzeugen auf dem Münchner Flughafen-Vorfeld ausharren (wir berichteten). Die Flughafen München Gesellschaft (FMG) und die Lufthansa räumten gestern bei einer Pressekonferenz Fehler ein: „Es ist überhaupt nicht gut gelaufen in dieser Nacht.“ Thomas Hoff Anderson, der Chief Operating Officer der FMG, erklärte: „Das Problem fiel viel zu spät auf. Alle haben darauf vertraut, dass das Notwendige passiert.“ Es hätte in jener Nacht mehrere Möglichkeiten gegeben, die Situation mit Notfallmaßnahmen zu beheben. Aber keiner habe die Eskalation auf die nächste Führungsebene vorgenommen.
Das hatte bereits Konsequenzen. Prozesse seien geändert worden, die Teams sollen noch enger verzahnt werden, kündigte Heiko Reitz, Hub Manager der Lufthansa in München, an. Künftig sollen auch Betriebsleiter der Aeroground rund um die Uhr im Lufthansa Hub Operation Center sitzen. Außerdem sei ein operativer Abschluss-Call eingeführt worden. In einem Operation Control Center sollen die Leitzentralen für Busse, Bodenpersonal, Verkehrsleitung, Airlines und Behörden noch enger miteinander vernetzt werden.
In der Nacht vom Freitag vor einer Woche seien mehrere Ursachen für die Panne zusammengekommen, sagte Reitz. Das Enteisen der Flugzeuge dauerte doppelt so lang wie sonst, weil der Schneefall dichter wurde und der Schnee sehr nass war. Dadurch habe sich ein Rückstau ergeben. Außerdem waren zu wenig Busfahrer im Einsatz – und sie wurden nicht mit den richtigen Prioritäten disponiert. „Das ist unser Fehler. Wir nehmen das auf uns“, sagte Anderson. Aus arbeitsrechtlichen Gründen dürften die Busfahrer nur bis 2.30 Uhr im Dienst bleiben. Aktuell gibt es keine Rufbereitschaft für Busfahrer. Ob man das ändern könnte, werde aktuell geprüft.
Auch die Flughafenfeuerwehr war nicht alarmiert worden. Es waren zwar 49 Feuerwehrleute im Dienst eingeteilt. „Aber die Situation war zu keinem Zeitpunkt sicherheitsrelevant. Daher wurden unsere Notfallprozesse nicht ausgelöst“, erklärte Anderson. Die Folge: 600 Menschen mussten die gesamte Nacht in sechs geparkten Flugzeugen ausharren. Viele durften die Maschinen nicht vor 5 Uhr früh verlassen. Ihnen seien proaktiv Entschädigungen angeboten worden, sagte Reitz. Alle, von denen E-Mail-Adressen vorlagen, wurden schon am vergangenen Freitag angeschrieben.
Auch die zögerliche Kommunikation nach dem Debakel war kritisiert worden. „Sicherheit vor Schnelligkeit“, sagte Thomas Hoff Anderson. Die FMG habe nicht mit Spekulationen an die Öffentlichkeit gehen wollen, der Fall musste erst nachrecherchiert werden. Mit der Pressekonferenz gestern wollten Flughafen und Lufthansa nun Transparenz schaffen – und sich für die unfreiwillige Übernachtung im Flugzeug entschuldigen.TIMO AICHELE