Pendlerin Ramona Hudetschek nutzt den Bus täglich. © Fuchs
Lenkt den Alpenbus: Fahrer Taqi Vesel.
Bitte einsteigen: Der Alpenbus fährt auf mehreren Linien zwischen Rosenheim, Bad Tölz und Murnau. © Arndt Pröhl (2)
Bad Tölz/Murnau – Um 10.15 Uhr ist am Isarkai in Bad Tölz nichts Spektakuläres zu sehen. Ein paar Fahrgäste stehen mit Taschen und Rucksäcken an der Haltestelle, Autos fahren Richtung Innenstadt, die Isar fließt ruhig vorbei. Dann biegt der grün-blaue Alpenbus um die Kurve. Auf der Anzeige steht: X990 Murnau Bahnhof.
Busfahrer Taqi Vesel ist 66 Jahre alt, stammt aus dem Kosovo und arbeitet seit 40 Jahren als Busfahrer. Seit zehn Jahren ist er in Deutschland tätig. Für das Unternehmen Geldhauser fährt er nun den neuen Alpenbus, der erstmals eine Ost-West-Expressbus-Verbindung von Rosenheim über Miesbach, Bad Tölz und Penzberg bis nach Murnau schafft. Am 14. Dezember war es so weit: Nach sieben Jahren Planung, schwierigen Verhandlungen und etlichen Verzögerungen ist das große Projekt endlich gestartet. Neu ist: eine landkreisübergreifende Ost-West-Verbindung – für die der Freistaat im ersten Jahr 65 Prozent des Betriebskostendefizits übernimmt.
„Ich bin zufrieden. Es gibt kein Problem. Mit den Leuten, mit der neuen Linie, mit der Organisation – alles ist gut.“ Auch wenn sein Tablet streikt, bleibt Busfahrer Vesel gelassen: „Ich weiß alles auswendig: Abfahrtszeiten, Strecke und Haltestellen.“
Auf dem Alpenbus sind derzeit 16 Fahrer im Einsatz, erzählt der 66-Jährige: acht in der Früh-, acht in der Spätschicht. Allerdings: Die Auslastung ist im Moment noch überschaubar. Bis zu 20 Fahrgäste steigen aktuell pro Schicht ein, berichtet er. Am meisten ist noch morgens und gegen 15 Uhr los. „Peu à peu werden es mehr“, sagt der Busfahrer. „Es braucht Zeit, bis die Leute wissen, dass es den Bus gibt.“ Der MVV will einen schleppenden Start der neuen Linie nicht bestätigen. Die Zahlen, die der MVV-Fachabteilung vorliegen, seien bisher nicht repräsentativ, heißt es von der Pressestelle. Die Auswertungen liefen noch. Erst nach drei Monaten wird Bilanz gezogen. An diesem Montagvormittag allerdings sitzen neben dem Busfahrer nur drei Fahrgäste im Bus Richtung Murnau. Ramona Hudetschek aus Bad Tölz, die den Bus täglich nutzt, sagt: „Manchmal sind bis zu neun Fahrgäste mit mir unterwegs – mehr sind es aber bis jetzt nicht.“
Neulich, erzählt Busfahrer Vesel, kam ein Fahrgast in Murnau zu ihm: Der Regionalzug komme immer zwei Minuten zu spät an, um den Express-Bus Richtung Bad Tölz zu erwischen – ob er bitte künftig warten könne? „Er kennt mich von einer Woche Busfahren“, sagt Vesel. „Ich habe gesagt: Ja klar, das kann ich machen. Du musst nur mit mir sprechen.“
Man müsse als Fahrer allerdings auch viel aushalten, erzählt er. Hinweise an den Türen – etwa, im Bus zu essen oder laut zu telefonieren – würden häufig ignoriert. „Man lernt doch in der Schule, was man machen kann und was nicht.“ Steigt jemand mit einem Döner ein, weist er auf die Regeln hin: „Mein Herr, das ist schön und gut, aber das ist hier verboten.“
Die 39-jährige Tölzerin Ramona Hudetschek ist „überglücklich über die neue Linie“. Sie pendelt ohne Auto nach Penzberg in eine Kindertagesstätte. Zuvor war sie auf den Kocheler Bus angewiesen und musste in Bad Heilbrunn umsteigen. „Es ist ziemlich oft vorgekommen, dass ich den Anschlussbus verpasst habe – und dann hast du ein Problem. Der nächste Bus kommt erst in einer Stunde.“ Mit dem Expressbus ist es besser. „Der ist perfekt für mich. Ich muss nicht mehr umsteigen, er fährt jede Stunde und auch in den Ferien regulär.“VALENTINA FUCHS