Kürzlich bin ich wieder dem Zwei-Sterne-Spitzenkoch Alexander Herrmann begegnet. Bekannt und ausgezeichnet ist der gebürtige Kulmbacher für seine einfallsreiche regionale und nachhaltige Küche. Ich lernte ihn vor einem fränkischen Fest für Demokratie kennen, bei dem wir beide engagiert waren. Diesmal trafen wir uns bei einer Spendengala für Kinder mit schweren Krankheiten in München. Wir plauderten ein wenig. Ich erinnerte mich und Alexander Herrmann daran, wie freundlich und persönlich er sich damals abseits der Öffentlichkeit und jenseits der Bühne mit mir unterhalten hatte – einer für ihn noch ganz fremden Frau. Ich fand das sehr liebenswürdig.
Der Maestro freute sich und meinte, es sei schön, wenn jemand sich mal nicht an negative Erfahrungen, sondern an Positives erinnere und das aus dem Gedächtnis wieder hervorhole. Wir waren beide einer Meinung: Das tut Seele und Kopf gut – angesichts all der Angriffe und Bosheiten, die täglich losgelassen werden, vor allem im Internet. Herbe Kritik ist schneller ausgesprochen als ein gutes, bestärkendes Wort. Wir sind in der Fastenzeit – eine kulinarische Herausforderung auch für Stars am Herd. Die evangelische Kirche in Deutschland hat sich ein zusätzliches Schmankerl ausgedacht für ihre Fastenaktion „7 Wochen ohne“.
Sie steht dieses Jahr unter dem Motto „Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte“. Natürlich muss man im Leben immer wieder klare Kante zeigen und manchmal unmissverständlich Grenzen aufzeigen. Aber es ist nicht heilsam, wenn Schroffheit und vernichtende Urteile zur Alltagsroutine werden. Und man anderen gnadenlos vorhält, was sie falsch machen. Am Ende – oder manchmal am Anfang – landet man bei sich und mag sich selber nicht mehr leiden. Mit Gefühl! So kocht man spitzenmäßig oder musiziert herzerwärmend. Mit Gefühl! Das zeigt der Ballkünstler im Fußballstadion, der ohne Holzerei das Leder wieselflink übers Spielfeld bringt.
7 Wochen ohne Härte, ohne Gewalt, auch ohne die verbale, ohne sture Unerbittlichkeit: Das klingt bekömmlich! Statt Härte Herzenswärme, echtes Mitgefühl, auch für sich selbst, aufmerksames Verständnis – das mag ein Fasten sein. Eines, das Freude und Traurigkeit in den Blick nimmt, das sich bekümmert um das Schöne im Leben genauso wie um das Leid. So ein Fasten entschlackt, befreit von inneren Lasten. Es macht das Herz weit und öffnet einem neue Horizonte. So gewinnt man mit Fasten an Menschlichkeit. Ich bin wieder dabei. Zur Aufmunterung mache ich Alexander Herrmanns Fastengericht: Lachs-Schaschlik mit Gurken-Joghurt-Dip. Mit Gefühl!