DAS PORTRÄT

Die Begleiterin auf dem letzten Weg

von Redaktion

Iris Menzinger aus Walpertskirchen. © Vroni Vogel

Iris Menzinger ist zur Stelle, wenn der Tod ins Leben tritt. Die 55-Jährige wohnt mit ihrer Familie in Walpertskirchen, arbeitet als Bestatterin in einem Hörlkofener Unternehmen und ist zudem freie Trauerrednerin. Sie ist in das Metier hineingewachsen. „Meine Mama hat 1972 in einem kirchlichen Bestattungsinstitut angefangen, und ich war von klein auf dabei“, erzählt sie. Als Kind habe sie die Mutter oft auf den Friedhof begleitet: „Für mich waren die Gräber kleine Gärten.“ Nach ihrer Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte und einigen Jahren in diesem Beruf entschied sie sich, ins Bestattungswesen zu wechseln.

„Meine erste Trauerrede habe ich geschrieben, als meine Mama gestorben ist. Das ist jetzt zehn Jahre her.“ Sie sollte einen Lebenslauf über ihre Mutter schreiben – daraus entstand die Rede, die der Pfarrer hielt. „Ich bin schon früh mit dem Tod in Berührung gekommen“, erzählt sie. Als Elfjährige verlor sie ihren Vater Gunther, der mit 39 Jahren starb. In den Jahren danach gab es weitere Verluste in Familie und Freundeskreis. Sie hat auch einschneidende Situationen miterlebt, etwa wenn Familien durch einen Unfall mehrere Mitglieder verloren. „Das verändert alles. Nichts mehr ist so, wie es war“, sagt sie. „Jeder Trauerfall hat seine eigene Sprache.“ Es gehe darum, „die Bedürfnisse der Angehörigen zu erkennen“. Manchmal reiche es, einfach da zu sein und Zeit zu haben. Mit liebevoller Wertschätzung kümmert sie sich auch um die Verstorbenen: „Es ist eine ehrenvolle Aufgabe, sie zu versorgen und anzukleiden. Oft lege ich Gegenstände der Verstorbenen oder Angehörigen in ihre Hände. Vielen ist es ein Bedürfnis, ihren Lieben noch etwas auf ihre letzte Reise mitzugeben.“ Man lerne, mit dem Tod umzugehen: „Ich bin ein fröhlicher, optimistischer Mensch. Meine Arbeit erfüllt mich. Man wird dankbar und hat wunderbare Begegnungen mit Menschen.“ Und sie lernt sich selbst immer besser kennen: Damit sie sich bei schweren Einsätzen nicht verliert, achtet sie besonders gut auf sich selbst.VRONI VOGEL

Artikel 1 von 11