von Redaktion

Gestern Morgen watschelte ich über das noch kalte Ufer. Der See roch immer noch nach Winter. Da passierte etwas Seltsames: Von überall her zwitscherte und trällerte es, als hätte jemand eine unsichtbare Musikdose aufgedreht. „Klara, hörst du das?!“, schnatterte ich. Klara quakte: „Velleicht proben sie für ein Frühlingsfest.“ Da mischte sich Waldkauz Ulrich ein: „Im Frühling zwitschern Vögel wirklich mehr.“ Ulrich erklärte, dass Singen viel Energie kostet. Im Winter ist es kalt und Futter ist knapp. Viele Vögel sparen dann lieber Kraft, statt lange Lieder zu trällern. Klara nickte. „Wie wir, wenn das Wasser eiskalt ist: Dann reden wir auch weniger.“

„Zweitens“, fuhr Ulrich fort, „ist der Frühling die Zeit der Liebe. Mit ihrem Gesang sagen Vögel: ‚Dieses Gebiet gehört mir!‘ Eine kräftige Stimme verrät: Ich bin gesund, ich finde Futter, ich halte durch.“ Ich kicherte. „Drittens werden die Tage länger. Mehr Licht wirkt wie ein Startsignal im Körper. Dann verändern sich im Vogelkörper bestimmte Stoffe, wie ein innerer Wecker, und plötzlich haben sie richtig Lust zu singen.“

Klara runzelte die Stirn. „Und verstehen sie sich überhaupt?“ Ulrich hob eine Braue. „Jede Art hat ihre eigenen Melodien. Manche Vögel lernen sie sogar als Jungtiere, wie ein Lied aus der Kindheit. Und manche haben kleine Varianten: wie Dialekte. So erkennen sie: Das ist mein Nachbar, und das ist ein Fremder!“ „Aha!“, schnatterte ich. „Also eine Mischung aus Namensschild und Liebesbrief.“

Eure Paula

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