Holzhäuser: Bayern stoppt Förderung

von Redaktion

Freistaat konzentriert sich auf sozialen Wohnungsbau – Kritik von Grünen und Betrieben

Ein Holzhaus in Bad Aibling. In den vergangenen Jahren wurden solche Gebäude staatlich gefördert. © dpa

München – Im Internet steht die Vorbildfunktion noch schwarz auf weiß. „Die Bayerische Staatsregierung geht beim ressourcen- und klimaschonenden Holzbau als Vorbild voran“, heißt es beim Forstministerium. Ziel sei, dass Holz als Baustoff so viel wie möglich zum Einsatz komme. Und dann wird noch Werbung für das Holzförderprogramm gemacht, ein „herausragender Erfolg“. Doch genau diese Förderung stampft der Freistaat jetzt ein. „Die Richtlinie läuft bis 31. Dezember 2026. Eine Verlängerung der Förderung ist nicht vorgesehen“, heißt es auf der Seite des Bauministeriums. Eine Antragstellung für neue Vorhaben sei nicht mehr möglich.

Thomas Pichler hat davon am Montagmorgen im Radio erfahren, als er mit dem Auto zur Arbeit gefahren ist. „Das war schon ein Stich“, sagt er. Der Zimmerermeister aus Raubling (Kreis Rosenheim) ist Oberbayern-Vorsitzender des Landesinnungsverbandes. Sein Betrieb baut Einfamilienhäuser, deshalb ist er nicht direkt von dem Förderstopp betroffen – Gelder aus dem Topf gab es nur für größere Projekte: Mehrfamilienhäuser, Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude, Pflegeheime. Aber er kennt viele Unternehmer und Bauherren, die von der Förderung profitiert haben. Die betrug 500 Euro je Tonne der in den Holzbauelementen gebundenen Menge CO₂. Maximale Fördersumme: 200.000 Euro. Pichler befürchtet, dass Projekte, die aktuell in der Planung sind, hinterfragt oder gar gestoppt werden könnten. Er bedauert das: „Der eingeschlagene Weg war richtig.“

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte 2021 in einer Regierungserklärung den Holzbau als wichtige Säule in Bayerns Klimaschutzambitionen bezeichnet: „Holz ist für Bayern eine der großen Chancen. All denjenigen, die sich immer nur auf ein oder zwei Elemente festlegen, ist zu raten: Wer nicht das Gesamte im Blick hat, wird beim Klimaschutz scheitern.“ Bei der Einführung der Förderrichtlinie 2022 war die Staatsregierung voll des Lobes. Sie sei „ein Meilenstein für mehr Klimaschutz in Bayern“, sagte damals Forstministerin Michaela Kaniber. Bauminister Christian Bernreiter (beide CSU) erklärte, dass dadurch ein wichtiger Baustein „für mehr Wohnraum sowie für klimagerechte Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen der sozialen Infrastruktur“ geschaffen wurde.

Jetzt also die Kehrtwende. „Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum konzentriert die Staatsregierung die verfügbaren Mittel verstärkt auf Programme mit breiter und sozialer Wirkung“, teilt das Bauministerium mit. Die Behörde bemühte sich, mögliche Nachteile für den Klimaschutz zu relativieren: „Der Holzbau ist mittlerweile wettbewerbsfähig und fest im Markt verankert, strukturell negative Auswirkungen auf die Bauwirtschaft sind deshalb nicht zu erwarten. Auch ökologisch ist dies kein Rückschritt“, sagte ein Sprecher. Seit der Einführung seien rund 510 Vorhaben mit einem Volumen von rund 58 Millionen Euro unterstützt worden.

Die Grünen im Landtag kritisierten die Entscheidung der Staatsregierung: „Wer die Holzbauförderung streicht, blockiert aktiven Klimaschutz im Gebäudebereich“, sagte die Abgeordnete Ursula Sowa. Mit dem Förder-Aus werde zudem die notwendige Bauwende ausgebremst. Bayerns vielbeschworener „Bauturbo“ laufe damit künftig auf Beton.CARINA ZIMNIOK

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