„Ewiger Toni“: Der Garmisch-Partenkirchner Landrat Anton Speer will mit 67 noch eine Amtsperiode dranhängen. © Hans Buchwieser
München – Sie sind so etwas wie kleine Könige in ihren Landkreisen, ihre Wahl ist für die Parteien auch Prestigesache. In 62 der 71 bayerischen Landkreise wird am Sonntag auch der Landrat gewählt. Die Mehrzahl der Amtsinhaber tritt wieder an, spannend wird es aber in einigen oberbayerischen Kerngebieten. Die Frage ist dabei, ob die CSU und Freie Wähler die Zahl ihrer Landräte halten werden – und wie die Bewerber kleinerer Parteien abschneiden.
Die CSU ist auf Kreisebene unangefochtene Nummer 1, stellt 54 Landräte. Allerdings hören 15 davon auf. Traditionell sitzen Amtsinhaber, wenn sie keine groben Schnitzer machen, fest im Sattel. Hört ein Landrat auf, sind die Chancen für Bewerber anderer Parteien höher. Bei den Freien Wählern sind es vier von 14, die nicht mehr antreten. „Wir sind zuversichtlich“, sagt FW-Chef Hubert Aiwanger auf die Frage, ob die FW die Zahl ihrer Landräte halten kann. Die SPD stellt nur zwei Landräte in Schweinfurt und Roth – beide möchten weitermachen. Die Grünen könnten künftig ohne Landrat dastehen – ihr einziger Kreischef in Miltenberg kann aus gesundheitlichen Gründen nicht weitermachen.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwarten Insider im Landkreis Miesbach, wo Landrat Olaf von Löwis (CSU) nicht wieder antritt. Der bisherige Bürgermeister von Hausham, Jens Zangenfeind (FW), hat gute Chancen, ihn zu beerben. Er hat allerdings mit dem Schlierseer Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) einen ernst zu nehmenden Konkurrenten. Unter genau entgegengesetzten Vorzeichen steht die Wahl im Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Hier hört der beliebte Landrat Josef Niedermaier (FW) nach drei Amtsperioden auf. Der frühere Kocheler Bürgermeister und jetzige CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Holz will ihm nachfolgen. Das wollen fünf Konkurrenten, darunter neben Ludwig Schmid (FW) auch der SPD-Veteran und Ex-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, verhindern. Im Landkreis Berchtesgadener Land bekommt es Franz Rasp (CSU), bisher Rathauschef in Berchtesgaden, mit dem FW-Landtagsabgeordneten Michael Koller (FW) zu tun – Überraschungen nicht ausgeschlossen. Der bisherige Landrat Bernhard Kern hatte verzichtet, er will Bürgermeister in der 3500-Einwohner-Gemeinde Halblech/Allgäu werden.
Wohl in der Favoritenrolle sind die teils langjährig amtierenden CSU-Amtsinhaber wie zum Beispiel in Fürstenfeldbruck (Thomas Karmasin), Rosenheim (Otto Lederer), Mühldorf (Maximilian Heimerl), Ebersberg (Robert Niedergesäß) oder Dachau (Stefan Löwl). In Starnberg bekam Landrat Stefan Frey sogar eine Wahlempfehlung der SPD. Auch die Freien Wähler setzen auf erprobte Leute wie den Freisinger Helmut Petz (er hat allerdings gleich acht Mitbewerber). Eine Nummer für sich ist Anton Speer (FW) aus Garmisch-Partenkirchen, seit 2014 im Amt und bekannt als „der ewige Toni“, der lange mit einer weiteren Kandidatur zögerte („ich habe alle gefragt, auch die Bürgermeister, aber keiner wollte“). Nur eine CSU-Kandidatin traut sich, gegen den 67-Jährigen anzutreten. In Pfaffenhofen könnte der CSU-Konkurrent Andreas Aichele, bisher Pressesprecher im Polizeipräsidium Oberbayern-Nord, mit etwas Fortune Amtsinhaber Albert Gürtner (FW) in die Stichwahl zwingen.
In Weilheim-Schongau verzichtete die einzige Frau unter den 20 oberbayerischen Landräten auf eine erneute Kandidatur: Gleich zehn Bewerber wollen das Amt von Andrea Jochner-Weiß (CSU): Neben Johann Bertl, Weilheimer CSU-Chef und Leiter des Wahlkreisbüros von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, kann sich der Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) Chancen ausrechnen. Die große Unbekannte ist die AfD, die in Weilheim mit dem Landtagsabgeordneten Benjamin Nolte antritt. Die Partei hat in einer Reihe von Kreisen (Garmisch-Partenkirchen, Neuburg-Schrobenhausen, Berchtesgadener Land, Dachau, Erding) allerdings gar keinen Landrats-Kandidaten nominiert.
Überraschungen sind auch in Aiwangers Heimatregion Niederbayern nicht ausgeschlossen. Im Landkreis Landshut hört Peter Dreier (FW) auf, die Freien Wähler setzen darauf, dass ihn Alfred Holzner, bisher Bürgermeister in Aiwangers Heimatgemeinde Rottenburg a.d. Laaber, beerben kann. Im Kreis Straubing-Bogen, wo Josef Laumer (CSU) nicht wieder antritt, rechnet sich der FW-Landtagsabgeordnete Tobias Beck Chancen aus.DIRK WALTER