Die damals achtjährige Michaela Eisch (Foto li.) wurde 1985 ermordet. Helmut Eigner (Foto re.) ermittelte in dem Fall. © jens Hartmann, yannick Thedens, privat, Hoffmann/Campe
Das Schicksal von Michaela Eisch hat im Jahr 1985 ganz München schockiert: Die erst Achtjährige wurde nach vierwöchiger Suche in einem Gebüsch an der Braunauer Eisenbahnbrücke gefunden. Der Mörder hatte das Mädchen aus der Maikäfersiedlung vergewaltigt und mit ihrem Höschen erdrosselt. Gefunden wurde er nie. Lange war es ruhig um den Fall. Jetzt zeigt sich, dass es fast 40 Jahre nach der Tat neue Ermittlungen der Mordkommission gab. Das verrät Helmut Eigner in seinem heute erscheinenden Buch „Cold Cases“.
Eigner war 30 Jahre lang Mordermittler und zusätzlich mit den unaufgeklärten Fällen betraut. 2025 ging „Mister Cold Case“ in Pension. Seitdem hat er an seinem Buch gearbeitet, in dem er auf seine spannendsten Fälle zurückblickt. „Es geht mir um die Sache“, erklärt er. Der 62-Jährige will zeigen, wie die Mordermittler wirklich arbeiten, welche neuen rechtlichen Hürden und technischen Verbesserungen, etwa im Bereich DNA, es gibt. Eigner blickt auf das Leid der Opfer-Familien und erklärt, warum sich Beharrlichkeit auszahlt. Etwa im Fall von Kornelia S., die 1985 in der Studentenstadt erschlagen wurde. Dem Ermittler gelang es, diesen Mord 2011 aufzuklären, den Täter vor Gericht zu bringen.
Ein Erfolg, der sich im Fall Michaela Eisch nicht eingestellt hat. Ihr Schicksal war 1996 der erste Cold Case, auf den der Ermittler aufmerksam wurde. Und es war vielleicht der traurigste Mord, der auf seinem Schreibtisch landete. „Ich habe den Fall nie aus den Augen verloren“, verrät Eigner. „Erst recht nicht, als sich nach über 25 Jahren eine Zeugin bei mir meldete und noch mal Bewegung in die Sache kam.“ Was 2021 folgte, waren viele Gespräche und neue Ermittlungen, die fast ein Jahr dauerten. Die Hinweise „führten zu einem konkreten Tatverdacht“. Dabei ging es um den Neffen von Erna G., die direkt gegenüber von Michaelas Schule wohnte. Mehrfach sah sie das Mädchen dort in den Wagen ihres Verwandten einsteigen. „Die Schwägerin hatte immer den Verdacht, dass ihr Neffe etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnte.“ Laut Eigner sprachen dafür auch zahlreiche Indizien. Aber: Der Beweis blieb aus, da der Mann schon verstorben war. Erna G. hatte aus Angst vor ihrer Familie erst auf ihrem Sterbebett über alles gesprochen – zu spät. Wenn Ermittlungen nicht zu einem Haftbefehl führen, geht die Polizei damit nicht an die Öffentlichkeit. Helmut Eigner erzählt davon in seinem Buch – und beim nächsten True-Crime-Abend unserer Zeitung.NADJA HOFFMANN