Tim Schulz zeigt das extremistische „White Power“-Handzeichen. © Instagram
München – Wenige Tage vor der Kommunalwahl gerät Bayerns AfD wegen eines jungen Funktionärs in Erklärungsnot. Tim Schulz, bis vor Kurzem stellvertretender Vorsitzender der Parteijugend Generation Deutschland (GD), hat sein Amt niedergelegt. Hintergrund sind unter anderem Kontakte zu Extremisten und Neonazis, die „Abendzeitung“ hatte zuerst berichtet. Zusätzlich brisant: Schulz arbeitet wohl für einen Landtagsabgeordneten und Landratskandidaten.
Der 24-Jährige aus Hohenbrunn (Kreis München) sympathisiert seit Langem mit der Identitären Bewegung, die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht. Außerdem pflegt er Kontakte zu einer zentralen Figur der Partei „Die Heimat“, früher NPD. Videos zeigen Schulz laut „AZ“ mit dem Neonazi in Budapest, zu sehen ist unter anderem, wie Letzterer orthodoxe Juden verfolgt. Andere Aufnahmen zeigen Schulz in einem Casino in Kärnten. Einer der Anwesenden setzt am Roulettetisch auf die Zahl 18 und sagt: „für Adolf Hitler“. In der Szene steht die Zahl 18 für die Initialen des NS-Diktators.
Schulz ist der Sohn des 2019 verstorbenen FDP-Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz. Kurz war er selbst bei den Liberalen, 2023 trat er der AfD bei. Inzwischen arbeitet er für den Landtagsabgeordneten Benjamin Nolte, wie Fraktionskreise unserer Zeitung bestätigten. Nolte, der in Weilheim als Landrat kandidiert, sagt nur so viel: „Wenn jemand behauptet, Herr Schulz würde für mich arbeiten, finde ich das unsäglich.“
Der Fall Schulz passt recht gut ins AfD-Mosaik. Nolte, der selbst schon wegen eines rassistischen Ausfalls am Pranger stand, gehört zur Gruppe junger Radikaler in der Landtags-AfD. Dazu zählen auch René Dierkes, dessen Kreisverband München-Ost Schulze angehört, und Franz Schmid, Chef der Generation Deutschland. Schmid, der wie Dierkes vom Verfassungsschutz beobachtet wird, soll Schulz allerdings zum Rücktritt als GD-Vize aufgefordert haben.
Bayerns AfD-Chef Stephan Protschka sagte auf Nachfrage, dass der Fall am Montag, am Tag nach den Kommunalwahlen, im Parteivorstand behandelt werde. Schulz droht dabei auch ein Parteiausschluss, sagte Protschka. „Wenn die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen.“ICB, BO, MMÄ